Coronapandemie
BAG-Experten sind zwiegespalten über aktuelle Lage

Die Hospitalisationen und Todesfälle sind rückläufig, gleichzeitig sind die Mutationen weiter auf dem Vormarsch. Laut den Experten des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) ist die Lage deshalb unsicher.

Dario Pollice
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Der Anteil der Mutanten an den Corona-Fällen steigt laut dem Zuger Kantonsarzt Rudolf Hauri weiter an.

Der Anteil der Mutanten an den Corona-Fällen steigt laut dem Zuger Kantonsarzt Rudolf Hauri weiter an.

Keystone

Der oberste Kantonsarzt der Schweiz, Rudolf Hauri, sprach am Dienstag wohl vielen aus dem Herzen: «Wir können das Dach des Cabriolets öffnen», sagte er vor den Medien in Bern mit Blick auf die ersten Lockerungsschritte und das schöne Wetter. Wie so oft bei den Medienkonferenzen der BAG-Experten folgte jedoch ein «Aber»: «Dunkle Wolken könnten die Freude am Erreichten wieder allzu schnell trüben», so Hauri.

Auch Virginie Masserey, Leiterin Sektion Infektionskontrolle, gab zu, dass man beim BAG zwiegespalten sei. Einerseits verzeichnet das Bundesamt einen Rückgang der Spitaleinweisungen und Todesfälle. Andererseits sind die Fallzahlen seit letzter Woche stagnierend. Und der Anteil der Mutanten steigt wie vorhergesagt an, so Rudolf Hauri weiter.

Selbsttests sind noch zu ungenau

Doch es gibt durchaus Positives zu vermelden. So haben laut BAG-Direktorin Anne Lévy bislang 17 Kantone ein Konzept eingereicht für das Testen von asymptomatischen Personen. Ausserdem hätten Graubünden und Basel-Stadt ihre Projekte für solche Tests zur Verfügung gestellt. «Andere Kantone können sie kopieren», so Lévy weiter.

Corona-Selbsttests, wie sie etwa in Deutschland kürzlich zugelassen wurden, eignen sich gemäss Lévy zum jetzigen Zeitpunkt jedoch nicht für die Schweiz. Positive Resultate würden nicht ans BAG geliefert und so fehle der Überblick über die Pandemie. Ausserdem sei die Qualität dieser Selbsttests noch ungenügend. «Wir prüfen aber, ob es zukünftig neue Möglichkeiten gibt», so die BAG-Direktorin.

Diskussion um Rolle der Taskforce

An der Medienkonferenz fiel auf, dass niemand von der wissenschaftlichen Taskforce anwesend war. Kam dies so, weil die Bürgerlichen der nationalrätlichen Wirtschaftskommission jüngst gefordert hatten, dass die Mitglieder der Taskforce nicht mehr direkt zu den Medien sprechen sollten? «Das ist reiner Zufall», sagte der Informationsbeauftragte der Bundeskanzlei, Andreas Ledergerber, dazu. Es sei vorgesehen, dass die Taskforce nächste Woche wieder vor die Medien trete.

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