Corona
Impfnachweise werden offenbar unverschlüsselt verschickt – Versand ist gestoppt

Das Impfzentrum Zug versendet Impfnachweise per E-Mail über den amerikanischen Anbieter Amazon. Damit sind diese Patientendaten offen wie eine Postkarte. Der Kanton Luzern hingegen händigt die Nachweise persönlich aus.

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Das Impfzentrum in Baar verschickt Bestätigungen offenbar mit normalen Mails. Das widerspricht dem Datenschutz.

Das Impfzentrum in Baar verschickt Bestätigungen offenbar mit normalen Mails. Das widerspricht dem Datenschutz.

Stefan Kaiser

(haz/rt) Das Impfzentrum Zug in Baar verstösst laut Mitteilung der Partei Parat gegen den Datenschutz. Dies, weil Impfnachweise unverschlüsselt per Mail über den US-Anbieter Amazon verschickt werden. Dies sei ein Datenschutzverstoss, wie auch die kantonale Datenschutzstelle der Partei laut Medienmitteilung bestätigt habe.

Stefan Thöni, Präsident der Parat, wird in der Mitteilung folgendermassen zitiert: «Gerade in der Pandemie muss das Arztgeheimnis gewahrt und Patientendaten besonders gut geschützt werden, um jede Diskriminierung zu vermeiden. Der Versand per E-Mail wäre kein Problem, wenn Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zum Einsatz käme, wie es heute dem Stand der Technik entspricht.»

Explizit als Funktion vorgesehen

Die vom Impfzentrum verschickten Impfnachweise beinhalten nicht nur Name, Geburtsdatum und Geschlecht des Patienten sowie das Datum der Impfung, sondern auch den verabreichten Impfstoff mit Hersteller und Losnummer. Die Daten werden laut Parat offenbar durch die Lösung «CovidProtect» von «OneDoc» massenhaft über den Amazon Simple Email Service an geimpfte Personen versandt, heisst es in der Mitteilung weiter.

Aurel Köpfli, Mediensprecher der Zuger Gesundheitsdirektion, sagt dazu: «Der Versand des Impfnachweises per E-Mail läuft über die Software OneDoc, welche die Kantone vom Bund zur Verfügung gestellt bekommen haben. Diese Software sieht diesen Mailversand explizit als Funktion vor.» Und weiter:

«Aufgrund der eingegangenen Meldungen wird der Versand der Impfbestätigungen per E-Mail im Kanton Zug per sofort gestoppt. Die Fragen zum Datenschutz werden nun mit den zuständigen Stellen beim Bund abgeklärt.»

Weder die Zuger Gesundheitsdirektion noch die kantonale Datenschutzstelle haben laut Parat-Mitteilung die Informationssicherheit des Impfzentrums geprüft. Dabei wäre bei einem so gewichtigen Gesundheitsprojekt laut Parat-Mitteilung eine datenschutztechnische Folgeabschätzung dringend geboten gewesen. Selbst in den Nutzungsbedingungen von «CovidProtect» finde sich keinen Hinweis auf den Versand des Impfnachweises per E-Mail. Gemäss Aurel Köpfli von der Gesundheitsdirektion seien die Impfnachweise nicht über den amerikanischen, sondern über den europäischen Ableger von Amazon verschickt worden.

Unverschlüsselte E-Mails seien «weniger sicher als eine Postkarte», wie es auch im Merkblatt der Datenschutzstelle Zug heisst, schreibt Parat. Besonders problematisch sei der Versand via einen amerikanischen Dienstleister, der den Direktzugriff der US-Geheimdienste eröffne. «Diese überwachen, wie die Enthüllungen von Eduard Snowden gezeigt haben, anlasslos und weltweit die gesamte digitale Kommunikation», heisst es weiter.

Kanton Luzern versendet keine Impfnachweise

Auch der Kanton Luzern arbeitet mit der Software OneDoc. Allerdings nutzt er diese ausschliesslich für den Anmeldeprozess beim Impfen, wie es auf Anfrage heisst. «Bislang gab es damit keine Komplikationen im Zusammenhang mit Datenschutzfragen», sagt David Dürr, Leiter der Dienststelle Gesundheit und Sport. Daher würde nun im Hinblick auf den Datenschutz kein Handlungsbedarf bestehen, so Dürr. Der Kanton Luzern versende Impfnachweise nicht auf elektronischem Weg, heisst es weiter. «Die Impfnachweise werden im Impfzentrum persönlich ausgehändigt», führt der Dienststellenleiter aus. Diese Dokumente würden zwar im OneDoc erstellt, aber vor Ort ausgedruckt.

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