Berufliche Vorsorge
Pensionskassen: Coronakrise hinterlässt noch keine finanziellen Spuren

Trotz Pandemie stehen die Schweizer Pensionskassen finanziell gut da. Sie erzielten letztes Jahr eine Rendite von 4,4 Prozent. Gestiegen ist auch der Deckungsgrad. Damit haben sich die Befürchtungen im Coronajahr bislang nicht bewahrheitet.

Reto Wattenhofer
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So nah der Griff zum Berg scheint, so fern ist eine Reform der 2. Säule. Für die zuständige Aufsichtskommission muss die Politik nun Gas geben. (Symbolbild)

So nah der Griff zum Berg scheint, so fern ist eine Reform der 2. Säule. Für die zuständige Aufsichtskommission muss die Politik nun Gas geben. (Symbolbild)

Keystone

Noch letzten Mai hatte die Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge ein düsteres Bild gezeichnet. Die ausgewiesenen Deckungsgrade der Pensionskassen in der Schweiz waren bis April auf 105,6 Prozent gesunken. Der Anteil der Unterdeckungen sprang in den ersten vier Monaten des letztes Jahres gar von 1,1 Prozent auf 25,4 Prozent. Doch nun zeigt sich: Die damaligen Hochrechnungen waren lediglich eine Momentaufnahme. Die finanziellen Auswirkungen der Pandemie sind bisher geringer ausgefallen.

Es sei erfreulich, dass das Coronajahr für die Vorsorgeeinrichtungen nicht zu einem «annus horribilis» geworden sei, erklärte Kommissionspräsidentin Vera Kupper Staub am Dienstag vor den Medien in Bern. Gegenüber 2019 erhöhte sich der Deckungsgrad im letzten Jahr gar um 1,9 Punkte auf 113,5 Prozent. Damit befinde er sich auf dem höchsten Stand seit der Gründung der Kommission im Jahr 2012, ergänzte Vizepräsidentin Catherine Pietrini. Nur eine von 100 Vorsorgeeinrichtungen wies demnach eine Unterdeckung auf. Dank der staatlichen Hilfe sei auch die befürchtete KMU-Krise ausgeblieben.

Höhere Anlagerisiken

Hauptgrund für die gute Entwicklung ist der Optimismus an den Kapitalmärkten. Die Aktienmärkte hätten sich in der zweiten Jahreshälfte wieder stark erholt, sagte Kupper Staub. Bereits Ende 2020 gingen die Märkte dann davon aus, dass die Pandemie bald überstanden sein wird. Vor allem bei Aktien und Immobilien erzielten die Schweizer Vorsorgeeinrichtungen gute Renditen.

Zwar konnten sie nicht an das Rekordergebnis von 2019 anknüpfen, als die Rendite um 10,4 Prozent in die Höhe schnellte. Das Plus von 4,4 Prozent im Coronajahr führte jedoch dazu, dass der Deckungsgrad gestiegen ist. Kritisch sieht die Oberaufsichtskommission, dass Vorsorgeeinrichtungen höhere Anlagerisiken eingehen, um die reduzierten Renditeerwartungen zumindest teilweise kompensieren zu können. «Die Garantie der laufenden Renten ist unserer Meinung nach nicht mit generell höheren Anlagerisiken vereinbar», betonte Präsidentin Kupper Staub.

Politik muss Reform an die Hand nehmen

Unverändert ist aus Sicht der Kommission der Reformbedarf. Die Pensionskassen verblieben im «engen Korsett der unrealistischen gesetzlichen Vorgaben», konstatierte Kupper Staub. Als positiv wertet die Pensionskassen-Aufsicht, dass letztes Jahres weniger Geld von aktiv Versicherten zu Rentenbezügern umverteilt wurde. Angesichts der guten finanziellen Lage fordert die Kommission die Politik jedoch auf, die Gunst der Stunde für eine Reform zu nutzen. Ein Dorn im Auge ist der Kommission vor allem der zu hohe Umwandlungssatz.

An diesem Punkt möchte auch der Bundesrat ansetzen. Letzten November hat er dargelegt, wie er das Rentenniveau in der beruflichen Vorsorge langfristig sichern will. Kernelement der Reform ist die Senkung des Mindestsatzes, mit dem das angesparte Kapital in eine Rente umgewandelt wird. Dieser Umwandlungssatz soll von 6,8 auf 6 Prozent gesenkt werden. Angesichts der Alterung der Gesellschaft und den niedrigen Zinsen erachtet der Bundesrat den heutigen Satz als zu hoch.