Abstimmung
Referendum gegen Organspende ohne explizite Einwilligung lanciert

Ein Komitee wehrt sich dagegen, dass jeder automatisch zum Organspender wird, sofern er nicht aktiv widerspricht. Gegen den Parlamentsentscheid wurde das Referendum lanciert.

Alice Guldimann
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Heute muss man zu Lebzeiten zustimmen, um Organspender zu werden. (Symbolbild)

Heute muss man zu Lebzeiten zustimmen, um Organspender zu werden. (Symbolbild)

Keystone

Für eine Organspende soll künftig keine explizite Zustimmung mehr nötig sein. Das hat das Parlament in der Herbstsession als indirekten Gegenvorschlag zur Initiative «Organspende fördern - Leben retten» beschlossen. Anders als die Initianten sieht dieser eine erweiterte Widerspruchslösung vor, in der die Angehörigen in die Entscheidung einbezogen werden müssen und eine Organspende auch ablehnen können.

Nachdem die Initianten ihr Anliegen zugunsten des Gegenvorschlags zurückgezogen haben, hat ein Komitee nun das Referendum gegen die Vorlage lanciert. «Ein solch fundamentaler Paradigmenwechsel» solle nicht vollzogen werden, ohne das Volk hinzuzuziehen, heisst es in einer Mitteilung vom Donnerstag. Das Komitee kritisiert, dass bei der Widerspruchsregelung das Recht auf Unversehrtheit des Körpers speziell eingefordert werden müsse. Tue man das nicht, würden «die Organe automatisch entnommen».

Komitee gibt sich zuversichtlich

Dies verletzt gemäss den Gegnern den Grundsatz der Selbstbestimmung, nach welchem nur bei informierter Zustimmung in den Körper eines Menschen eingegriffen werden darf. Auch den Einbezug der Angehörigen in den Entscheid sieht das Komitee kritisch. Diese müssten bei der neuen Regelung darlegen, warum die sterbende Person keine Organe spenden wollte. «Dieser Umstand übt indirekt noch mehr Druck als bisher auf die Angehörigen aus», heisst es in der Mitteilung.

Dem Gegner-Komitee gehören verschiedene Vertreter aus Politik, Ethik und Theologie an. Darunter die Berner EVP-Nationalrätin Marianne Streiff, die Berner Universitätsprofessorin für öffentliches Recht, Franziska Sprecher, und Niklaus Herzog, der ehemalige Geschäftsführer der Zürcher Ethikkommission. Das Komitee gibt sich in seiner Mitteilung zuversichtlich, dass das Referendum zustande kommt.

Für das Parlament ist der Systemwechsel bei der Organspende eine konkrete Antwort auf den Organmangel. Im letzten Jahr starben 72 Menschen, die sich auf der Warteliste befanden. Mit der erweiterten Widerspruchslösung erhofft sich das Parlament, dass die Zahl der Spenderinnen steigt. Nicht gerüttelt wird mit der neuen Regelung an den Voraussetzungen für eine Spende: Organe spenden können nur Personen, die im Spital einen Hirntod infolge Hirnschädigung oder Kreislauf-Stillstand erleiden. Verstirbt jemand zu Hause oder ausserhalb des Spitals, ist eine Organspende nicht möglich.

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