Energiewende
Neuer Plan: So soll Fotovoltaik die Schweizer Energieversorgung sichern

Swissolar steckt sich ehrgeizige Ziele: Bis 2050 soll Fotovoltaik 45 Terawattstunden Strom liefern – 15 Mal mehr als heute. Der Fachverband hat dazu ein 11-Punkte-Programm erarbeitet.

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Swissolar hat ein Massnahmenpaket erarbeitet, um die Fotovoltaik zu fördern. (Archivbild)

Swissolar hat ein Massnahmenpaket erarbeitet, um die Fotovoltaik zu fördern. (Archivbild)

Keystone

Die vom Bundesrat vorgesehen Zielwerte im Bundesgesetz über eine sichere Stromversorgung mit erneuerbaren Energien sind aus Sicht von Swissolar zu tief. Der Schweizerische Fachverband für Sonnenergie befürchtet, dass damit weder die Versorgung gesichert noch das Netto-Null-Ziel 2050 erreicht werden.

Statt 39 Terawattstunden (TWh) Produktion aus erneuerbaren Energien im Jahr 2050 sollten daher 50 TWh anvisiert werden – 45 TWh davon von Fotovoltaikanlagen, wie der Verband am Mittwoch mitteilte. «Das Fotovoltaikpotenzial in der Schweiz ist riesig», wird Verbandspräsident und GLP-Nationalrat Jürg Grossen zitiert. «Zur Sicherung unserer Energieversorgung müssen wir weniger als die Hälfte davon nutzen.» Doch damit die Umstellung gelinge, «müssen wir jedoch mehr und schneller zubauen».

Das Ziel ist ambitiös. Swissolar hat daher ein 11-Punkte-Programm erarbeitet. So soll der Netzzuschlag um 0,5 Rappen pro Kilowattstunde erhöht sowie eine einheitlich geregelte Abnahmevergütung eingeführt werden. Weitere Punkte betreffen etwa lokale Energiegemeinschaften, den Abbau von Zusatzkosten und Bürokratie, die Beteiligung der Schweiz am Wiederaufbau einer europäischen Solarindustrie oder die Aus- und Weiterbildung von Fachkräften.

Solarzellen auf allen Dächern und Fassaden

Für Diskussionsstoff sorgen dürfte die Forderung einer Solarpflicht bei Neubauten und Sanierungen. Das Gesetz müsse Immobilienbesitzerinnen und -besitzer dazu verpflichten, Solarenergie zu produzieren, heisst es im Programm. Konkret soll es «eine Pflicht zur Belegung der gesamten geeigneten Dach- und Fassadenfläche für die Eigenstromproduktion» geben. Auch brauche es eine Bestimmung, wonach bei grösseren Umbauten die gesamten geeigneten Dächer und Fassaden ebenfalls für Solarenergie genutzt werden müssten.

Aktuell kennen 18 Kantone eine Eigenstrompflicht bei Neubauten. Dies schaffe einen starken Anreiz, um Fotovoltaikanlagen zu erstellen. Gemäss Swissolar könnte auf den bestehenden Dach- und Fassadenflächen mehr Strom produziert werden, als die Schweiz aktuell verbraucht. Deshalb schlägt der Verband vor, dass alle Kantone eine entsprechende Pflicht einführen.

Bereits am Dienstag hatte Greenpeace einen massiven Ausbau der Fotovoltaik gefordert. Und der Nationalrat stimmte im September 2021 einer Motion zu, die mehr Fotovoltaik will: Künftig sollen die Dächer aller Neubauten auf der dafür geeigneten Seite mit Sonnenpaneelen statt mit herkömmlichen Ziegeln gedeckt werden. Der Ball liegt nun beim Ständerat. Dessen Energiekommission wird am Donnerstag zudem die Beratungen zum Bundesgesetz über eine sichere Stromversorgung mit erneuerbaren Energien starten. (abi)