Test: Fiat Tipo

Preiswert statt nur billig

Fiat Tipo

Fiat Tipo

Mit dem Tipo besinnt sich Fiat auf seine Ursprünge: Preiswerte Mobilität für jedermann. Kann dieses Konzept auch heute noch überzeugen?

Muss zwingend Langeweile herrschen, sobald die Vernunft regiert? Mit grosser Schnauze möchte der Fiat Tipo das Gegenteil behaupten. Denn der Italiener ist zwar ein Vernunftauto durch und durch, bemüht sich aber dennoch um einen gepflegten Auftritt. Der grosse Grill mit Chromumrandung, die harmonisch integrierten Leuchten markieren das an der Front. Die klassisch gezeichnete Seitenlinie und das Heck mit edel matt schimmernden Rückleuchten setzen diesen Anfang gekonnt fort. Das passt – und wirkt alles andere als billig. Man würde dem Tipo mehr zutrauen, als den bescheidenen Einstandspreis von 16 990 Franken. Selbst er Testwagen mit guter Ausstattung, unter anderem Navi, Rückfahrkamera und Tempomat, bleibt knapp unter 25 000 Franken.

Natürlich kann auch Fiat keine Wunder vollbringen und muss hier und da Geld sparen, um den Preis tief zu halten. Im Innenraum trifft man vor allem in den tieferen Regionen einige Hartplastik-Teile an; aber: Die Verarbeitung wirkt solide und passgenau, das Lenkrad sogar mit edlem Leder bezogen. Auch die Sitzposition lässt sich gut einstellen, Grossgewachsene finden schnell die richtige Einstellung und wünschen sich höchstens eine etwas längere Oberschenkelauflage. Einziges Manko ist die Übersicht nach schräg vorne. Die eher wuchtige A-Säule steht etwas ungünstig im Blickfeld und nimmt beim Abbiegen etwas viel Sicht. Daran muss man sich gewöhnen.

Auf Anhieb gut klappt dafür die Bedienung von Navigation und Radio über den auf der Mittelkonsole angebrachten Touchscreen. Allgemein fühlt man sich im simpel und übersichtlich gestalteten Cockpit sehr schnell zu Hause; weniger ist eben manchmal mehr.

Unkompliziert und unaufgeregt

Auch auf der Strasse gibt sich der Tipo unkompliziert und umgänglich. Schon auf den ersten Metern wird klar, dass es bei der Fahrwerksabstimmung vor allem um Komfort ging; was im Alltag schliesslich auch mehr Wert bringt, als das letzte Quäntchen Sportlichkeit. Nur die Lenkung dürfte dennoch einen Tick direkter und präziser ausfallen. Dasselbe gilt auch für die Führung des Schalthebels durch die sechs Gänge. Der 1,4-Liter-Turbo mit 120 PS wirkt zwar bei höheren Drehzahlen nicht mehr sonderlich spritzig, hat aber für den Alltag zwischen 1500 und 2500 Umdrehungen genügend Drehmoment bereit; mit 6,9 l/100 km gibt er sich aber leider nicht sonderlich sparsam. Dem Gesamturteil zum Tipo tut dies aber keinen Abbruch: Der Italiener bietet viel Auto fürs Geld und wirkt dabei alles andere als billig. Molto bene!

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