CORONA-PATIENTEN
Mit seiner Zählung der Spitaleintritte verspielt das BAG Vertrauen

Bei den Spitaleintritten erfasst das Bundesamt für Gesundheit auch Patienten, die nicht wegen Corona ins Krankenhaus mussten - sondern eine Nebenerkrankung aufweisen. Das ist nicht nachvollziehbar.

Francesco Benini
Francesco Benini
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Fragwürdige Methode: Anne Lévy, die Direktorin des Bundesamts für Gesundheit.

Fragwürdige Methode: Anne Lévy, die Direktorin des Bundesamts für Gesundheit.

Anthony Anex / KEYSTONE

Bald nach dem Ausbruch der Coronakrise erging der Ruf an die Politik: Sie solle bei der Frage, welche Einschränkungen des öffentlichen Lebens sie verhänge, stärker auf die Belegung der Spitäler als auf die Infektionszahlen achten.

Natürlich gibt es einen Zusammenhang zwischen den beiden Daten: Steigen die Infektionszahlen, nehmen mit ein wenig Verzögerung auch die Zuweisungen in die Krankenhäuser zu. Das war so bis zur Ausbreitung der Omikron-Variante.

Wies das Bundesamt für Gesundheit an einem Tag 150 Spitaleinweisungen aus, dachten sich die besorgten Bürgerinnen und Bürger dieses Landes: 150 Menschen sind so schwer an Corona erkrankt, dass sie Spitalpflege benötigen. Nun zeigt aber eine Recherche des Online-Portals «Léman Bleu» und des «Blicks», dass dies nicht zutrifft.

In der Statistik des Bundesamts werden auch Personen erfasst, die sich zum Beispiel beim Skifahren das Kreuzband reissen, ins Spital gebracht werden – und dort positiv auf Corona getestet werden. Mitgezählt werden also auch Menschen, die zwar an Corona erkrankt sind, aber nicht so schwer, dass der Verlauf dieser Erkrankung eine Behandlung im Spital erforderlich machte.

Warum legte das BAG seine Kriterien nicht offen?

Es ist nicht nachvollziehbar, warum das Bundesamt die Daten nicht präziser aufbereitet. Es macht einen Unterschied, ob jemand im Spital liegt wegen Corona oder ob es sich um eine Nebenerkrankung handelt – die dann möglicherweise einen milden Verlauf nimmt, während ein anderes Leiden behandelt wird.

Das Vorgehen des Amtes gibt dem Verdacht der Corona-Skeptiker Nahrung, wonach das Problem grösser dargestellt wird, als es effektiv ist. Man darf von den Beamten erwarten, dass sie wenigstens darauf hinweisen, auf welcher Grundlage sie ihre Daten erheben.

Man mag einwenden, dass die einzig wirklich relevante Zahl die Beanspruchung der Intensivstationen ausweist. Trotzdem ist es offensichtlich, dass das Bundesamt für Gesundheit mit der nichtdeklarierten Vermischung von Patientengruppen Vertrauen verspielt. Es ist nicht das erste Mal, dass das Amt für Irritationen sorgt. Bundesrat Alain Berset muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass er bei dieser Behörde nicht genau genug hinschaut.

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