Leserdebatte
«Polit-Propaganda» fordert «Bauernopfer»

«GLP greift Bauern-Privileg an», Ausgabe vom 7. Februar

Drucken

Die Angst vor dem Klimawandel bringt immer extremere Ideen an den Tag. Die Forderung der Grünliberalen, den Bauern die Vergünstigung des Treibstoffes für Traktoren zu streichen und damit den Klimawandel zu beeinflussen, ist mehr als lächerlich. Die Grünliberalen machen sich mit solchen Äusserungen total unglaubwürdig und gelten für mich als billige Wahlkämpfer. Die gleichen Klimafanatiker reisen mit dem Flugzeug um die ganze Welt – und der Flugzeug-Treibstoff, das Kerosin, ist total steuerfrei. Das deutsche Umweltbundesamt hat errechnet, dass der Ausfall der Steuern für Kerosin etwas mehr als 7 Milliarden Euro beträgt.

Unbestritten ist, dass sich das Klima wandelt. Ob diese Klimaänderung durch die Weltbevölkerung aufgehalten werden kann, ist zu bezweifeln. Man kann sie höchstens eventuell etwas aufschieben. Will die Weltbevölkerung den Klimawandel überleben, braucht es enorme Anstrengungen. Ein grosser Anteil des Geldes, das heute gegen den Klimawandel ausgegeben wird, muss dringend investiert werden für die Folgen des Klimawandels. Heute schon ist die Wissenschaft, zusammen mit den Bauern, gefordert, auch mit der Klimaveränderung den Anbau von Nahrungsmitteln für die Weltbevölkerung zu sichern. Einmal mehr ein Grund, den Bauern auf der ganzen Welt ein menschenwürdiges Einkommen zu sichern, damit wir auch in Krisenzeiten noch Bauern haben.

Otto Beck, Sursee


Verwundert haben mich die Äusserungen von Jürg Grossen, dem Präsidenten der GLP, über Privilegien der Bauern bezüglich Treibstoffzoll-Rückerstattungen. Ich verstehe diese Rückerstattungen keinesfalls als Mittel zur Drosselung des Treibstoffverbrauchs. Sie sind vielmehr ein Mittel, die Bauernfamilien zu entlasten. Ich habe seine Argumentation als Unmut über die Ungleich-Behandlung der Bauern verstanden. Über moralisch stark aufgeladene Themen wie «Klimaschutz», «die Bauern haben es sowieso besser», «immer müssen die Autofahrer bluten» versucht Grossen Meinungen zu machen zu Gunsten seiner Partei. Ich sehe diese Argumentation eher als schlecht geführte Propaganda, die auch vor Bauernopfern nicht Halt macht.

Marcel Robert Schneider, Schattdorf


Der Bericht hat mich sehr verärgert. Wieder einmal geraten die Bauern ins Fadenkreuz. Im Zeichen des Umweltschutzes sollen sie auf die Treibstoffzoll-Rückerstattung verzichten. Daneben aber wird der sehr umweltbelastende Flugverkehr nicht mit einer längst fälligen Kerosinsteuer belastet. Bei umweltfreundlichen Autos, mit Gas-, Hybrid- oder Stromantrieb, wurde die Verkehrssteuer vor zwei Jahren um 700 Prozent erhöht. Im Gegensatz dazu aber wurden bei den Geländewagen, mit markant höherem Treibstoffverbrauch, die Steuern nicht nach oben angepasst. Wie kürzlich in der Zeitung zu lesen war, werden diese Autos immer häufiger gefahren. Nicht aus beruflichen Gründen, sondern rein zum Vergnügen, als Statussymbol. Für die Belastung, die sie damit der Umwelt zufügen, werden sie mit keiner zusätzlichen Steuer belegt. Die Bauern hingegen brauchen die landwirtschaftlichen Fahrzeuge für ihre Arbeit. Um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Ich begrüsse Ideen zum Schutz der Umwelt und finde, dass der motorisierte Individualverkehr zu sehr auf Händen getragen wird, aber hier wird ganz klar ein Bauernopfer gefordert. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Judith Haug, Ballwil