Leserdebatte
Ist das Luzerner Theater für das Volk da oder das Volk für das Theater?

«Favorit ist ein ‹Drei-Sparten-Haus Plus›», Ausgabe vom 20. Juni

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20 Millionen Franken gibt der Kanton jährlich für das Theater in der Stadt Luzern aus. Nun fordert die FDP einen Wettbewerb der Ideen, wie man dieses Geld am besten einsetzt. Es soll in Varianten gedacht werden – und schon wehrt sich das Theater mit Händen und Füssen. Konkurrenz belebt und lässt Bestes entstehen. Beim Neubau will man ja auch nicht den erstbesten Entwurf nehmen. Es gibt einen gross angelegten Architekturwettbewerb. Nur beim Konzept will man am Alten ohne Prüfung festhalten.

Ich habe den Eindruck, dass man für wesentlich weniger Subventionen ein lebendiges Theater führen kann, ohne Abstriche an der Qualität der Vorstellungen zu machen. Was spricht gegen eine ergebnisoffene Prüfung?

Peter Stutz, Luzern


Wenn wir zu viert ins Luzerner Theater gehen, subventioniert dies der Staat mit 330 Franken pro Billett. Das sind dann 1320 Franken für zwei Stunden Aufführung. Trotzdem sind die Vorstellungen oft nur halb voll. Hier stimmt doch etwas nicht. Der Staat zahlt Unsummen und die Leute kommen trotzdem nicht. Ich mag es den 400 Angestellten am Theater gönnen, dass sie ihren beruflichen Interessen nachgehen können. Aber bitte nicht derart auf Kosten von allen Steuerzahlern. Dass das Theater keinen Wechsel des Konzeptes will, überrascht natürlich nicht. Ich finde aber klar, dass der Kanton einmal über die Bücher müsste.

Daniel Keller, Unternehmer/Kantonsrat SVP, Udligenswil


Der regionale Entwicklungsträger Region Luzern West war Pilot-Region im Kanton Luzern, um die grösseren oder regional bedeutenden Kulturprojekte in der Landschaft finanziell zu unterstützen. Aktuell bezahlt jede Gemeinde pro Einwohner Fr. 1.00 in den regionalen Kulturfonds. Der Kanton bezahlt den gleichen Betrag in diesen Topf. Eine Fachkommission verteilt die verfügbaren Gelder für die einzelnen Projekte und Darbietungen in der Region. Das ist eine gute Sache und sollte in dem Sinne im ganzen Kanton umgesetzt werden. Gute und engagierte Kulturprojekte stärken jede Gesellschaft in jeder Region in unserem Kanton.

In der gegenwärtig laufenden kantonalen Vernehmlassung zur «Neugestaltung Zweckverband grosser Kulturbetriebe und Weiterentwicklung regionale Kulturförderung» stört mich, dass das «produzierende Luzerner Theater», nur mit einer Frage erwähnt wird. Diese Vernehmlassung ist nicht abschliessend und wischt wichtige Grundsatzfragen, was für ein Theater die Bevölkerung will, unter den Tisch.

Ich frage die Luzerner Bevölkerung, ist es richtig, dass eine mittelgrosse Stadt wie Luzern mit 70000 Einwohnern ein produzierendes Theater mit drei Ensembles unterhält und vor allem finanziert? Von den Gesamtkosten von 24 Millionen Franken bezahlen der Kanton und die Stadt Luzern 20 Millionen Franken Betriebsbeiträge pro Jahr.

Bevor nun diese Vernehmlassung zu den Kulturbeiträgen und der Finanzierung eines neuen Stadt-Theaters abgeschlossen werden, braucht es eine Auslegeordnung. Was braucht die Stadt, die Agglomeration und der ganze Kanton für ein Theater? Was sind wir bereit dafür zu bezahlen?

Es ist wichtig, dass dieses Thema mit der hängigen Motion vom Regierungsrat aufgenommen wird und im Kantonsrat diskutiert wird. Wenn der Kantonsrat entschieden hat, soll dann die Bevölkerung abstimmen was sie für ein Stadt-Theater will und bereit ist zu finanzieren.

Erich Leuenberger, alt Kantonsrat FDP, Nebikon


«Wer ein Theater füllen will, bedient sich der Dramaturgie. Um es zu leeren, genügt Ideologie (von Oliver Hassencamp).» Als ich diesen Satz gelesen habe, dachte ich sofort ans Luzerner Theater. Aus baulicher Sicht muss es erneuert werden, das ist klar sichtbar, und inhaltlich?

Es scheint, dass sich die Verantwortlichen vor allem mit ihren Ideen verwirklichen wollen. Ob dies bei der Bevölkerung Gefallen findet, scheint sie nicht zu interessieren. Kultur muss in der Gesellschaft leben. Wäre das Luzerner Theater sehr erfolgreich, hätte grosse Nachfrage und würde es sich mit seinen Produktionen und Angeboten grösstenteils selber finanzieren, wäre es gut.

Tatsache ist, dass der Steuerzahler etwa 20 Mio. (ca. 14 Mio. der Kanton Luzern und 6 Mio. die Stadt Luzern) von den 24 Mio. Umsatz finanziert; das ergibt zirka 300 Franken je Ticket. Das ist sehr viel. Ein hoher Kantonsbeitrag rechtfertigt sich nur, wenn das Luzerner Theater nicht nur ein städtisches, sondern ein kantonales Theater ist, sprich eine Ausstrahlung mindestens in den ganzen Kanton hat.

Schauen wir jedoch die Besucherzahlen (bescheidene 62700) sowie die Besucherherkunft an, müssen wir dies verneinen: Zirka 46 Prozent kommen aus der Stadt Luzern, zirka 19 Prozent aus der Agglomeration und nur etwa 12 Prozent aus dem übrigen Kanton. Es kann nicht von einer kantonalen Ausstrahlung gesprochen werden! Das Luzernern Theater sollte fürs Publikum, die Zahler da sein und nicht nach der eigenen Verwirklichung streben – solange so viel vom Staat finanziert wird. Nun wurde gesagt, es seien verschiedene Varianten geprüft worden und die künstlerisch wie auch finanziell beste sei, wenn die drei Sparten noch etwas erweitert werden. Offenlegen kommt jedoch erst in Frage, wenn wichtige Entscheide bereits gefallen sind. Da müssen die Regierung und das Parlament sehr gut hinschauen. Es soll ein schönes neues Theater geben, das gefällt und vor allem gesehen werden will! So würden die Finanzen automatisch besser ins Lot kommen.

Rosy Schmid, Kantonsrätin FDP, Hildisrieden


Seit 25 Jahren bin ich Mitglied der MTG Sursee (Musik- und Theatergesellschaft). Als aktives Ensemblemitglied (21 Jahre) bin ich erstaunt über den Artikel zum Luzerner Theater. Auch seit meiner aktiven Laufbahn besuche ich immer noch regelmässig die Produktionen des Stadttheaters Sursee. Dieses kriegt keine Subventionen. Das Luzerner Theater erhält aber anscheinend 20 Millionen pro Jahr. Wo bleibt hier die Gerechtigkeit? Es heisst zwar Luzerner Theater, aber den Landgemeinden bringt es gar nichts. Müsste man beim Kanton nicht einmal prüfen, ob man weniger Geld in die Stadt stecken will und dafür mehr für die Landschaft?

Reto Greppi, Nebikon

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