Leserbrief
Haben die Offiziere dem zu erstrebenden Ziel gedient?

«Neues Waffenrecht spaltet Offiziere», Ausgabe vom 9. Februar

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Vergangene Woche haben die Präsidenten der regionalen Offiziersgesellschaft-Sektionen, welche unter dem Dach der «Schweizerischen Offiziersgesellschaft» (SOGV) zusammengefasst sind, gemeinsam beschlossen, das neue Waffenrecht abzulehnen. Bei den Präsidenten der regionalen Offiziersgesellschaften handelt es sich in der Regel um Stabs- und Generalstabsoffiziere. Der Präsident der SOGV ist ein Oberst im Generalstab.

Das neue Waffenrecht aus der EU wurde mit einigen helvetischen Anpassungen durch unsere Diplomaten gut verhandelt, und der weitest mögliche Spielraum wurde für eine pragmatische schweizerische Lösung ausgehandelt. So ändert sich nichts daran, dass die Wehrmänner während und nach ihrer Dienstpflicht Sturmgewehr und Pistole ohne Einschränkung über die bisher schon geltenden Regelungen behalten dürfen. Es gibt zwar bessere Kontrollmöglichkeiten für halbautomatische Waffen (Sturmgewehre und Pistolen), aber es wird kein zentrales Waffenregister aufgebaut. Wer sich als Sportschütze oder Jäger betätigen will, kann das weiterhin ohne Einschränkungen tun. Die Annahme des neuen Waffenrechtes ist aber verknüpft mit der Möglichkeit, dass die Schweiz weiterhin dem Schengen Raum angehören kann und über die EU-weite Informationsplattform zum Thema Waffenkontrolle Zugriff hat. Ein Ausschluss aus dem Schengen-Vertrag würde bedeuten, dass unsere Grenzen wieder wie früher eng und mit mehr Grenzwächtern kontrolliert werden müssten. Daraus ergäben sich für die Schweiz im Verkehr mit dem Ausland massive und aufwendige Erschwernisse.

Deshalb erstaunt der Entschluss der SOGV, das neue Waffenrecht abzulehnen. Mit welcher Lagebeurteilung kommen die Herren zu diesem Entschluss? Wurden da die kleinen administrativen Mehraufwände im Sinne der so genannten «besonderen Anordnungen» dem taktischen und strategischen Bedürfnis vorgezogen? Wurde da im Sinne der kaum gesamtheitlich orientierten Absichten und Wünsche der breiten Truppe nachgegeben, anstatt aus einer Gesamtverantwortung dem zu erstrebenden Ziel und Auftrag zu dienen? Wird da noch geführt oder nur nach dem Wind gehandelt? Dass dieser Entschluss offenbar ohne kontroverse Diskussion zu Stande kam, ist enttäuschend.

Robert Schmid, Major a. D., Rothenburg

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