Leserbrief
«Ginge es nicht auch mit wesentlich weniger Wohnungen oder gar keinen?»

Zum Leserbrief «Fragen zum Bauprojekt auf dem Wesemlin», Ausgabe vom 1. März

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Seit längerem und wiederholt behaupten Kreise, die sich gegen den Neubau im Kapuzinergarten stellen, dass es sich bei «Francesco» nicht um ein Kapuziner-, sondern um ein Investoren-Projekt handle. Dabei soll suggeriert werden, dass eine geheimnisvolle Drittpartei mit dem Neubau Kasse machen will, und es wird versucht, die Kapuzinergemeinschaft als gutgläubig-naiv hinzustellen.

Diesem Trugbild liegt die eigennützige Vorstellung zugrunde, dass das Kloster im Wesemlin-Quartier geschmeidig nicht störende Unbetroffenheit darbringen soll. Ganz im Sinne von: schön spirituell bitte, alles so belassen wie immer und mit der Öffnung des privaten Kapuzinergartens bitte stille Besinnlichkeit in einem schön gepflegten Gartenambiente. Der alleinige Investor des Neubaus «Francesco» ist der professionell begleitete Kapuzinerorden respektive die Kirchliche Stiftung des Kapuzinerklosters Wesemlin. Es gibt keinen anonymen Immobilienhai, der mit dicker Geldbörse an der Klosterpforte steht und sich den Zugriff auf reiche Pfründe erhofft.

Will das Kloster mit seinen Kapuzinerbrüdern wirtschaftlich überleben, den Kirchendienst in der Kapuzinerkirche und die Seelsorge im Quartier aufrechterhalten, die Suppenküche weiter betreiben, die «Oase-W»-Angebote umsetzen, die Jahrhunderte alten Gebäulichkeiten im Schuss halten und den Privatgarten als Naherholungsoase auch für die Wesemlianer pflegen, müssen dringend zusätzliche Einnahmequellen erschlossen werden. Viele wissen nicht, dass der Kapuzinerorden nicht am Tropf der Kirchensteuer hängt, sondern sich «seinen Haushalt» selbst erbetteln und erarbeiten muss.

Die Versuche, den Neubau zu verhindern, sind ebenso reichhaltig wie krampfhaft. Sie reichen von der Forderung der Einsprecher, den für den Neubau abzubrechenden ehemaligen Schweinestall unter Schutz zu stellen bis zu anonymen Flugblättern und auf der Poststelle Kriens aufgegebenen anonymen Wutbriefen.

Urs L. Steger, lic. rer. pol., Luzern, Präsident Baukommission Neubau «Francesco»


In seinem Leserbrief behauptet Hans Eggermann, dass das Kantonsgericht kein Kapuziner-Projekt, sondern ein Investoren-Projekt stützt. Wenn das zutrifft, muss man sich fragen, ob gegenüber der Öffentlichkeit nicht bewusst mit gezinkten Karten gespielt wird. Geht es wirklich um das Wohl der Kapuziner, die ohne diesen Mammut-Neubau keiner wirtschaftlichen Zukunft mehr entgegensehen, oder waschen nicht ganz Andere ihre Hände in diesem Deal? Wird dem Projekt nicht ganz einfach ein Deckmäntelchen umgelegt, zu dem die Kapuziner leider Hand bieten? Benötigt der Bettelorden für seine Bedürfnisse unbedingt ein Projekt mit 30 Wohnungen? Wenn überhaupt: Ginge es nicht auch mit wesentlich weniger Wohnungen oder gar keinen – oder wenigstens mit einem angepasst hohen Haus statt eines sechsstöckigen Fremdkörpers?

Viele der lediglich 60 Personen, die an der Quartierversammlung vom 27. April 2018 für das Projekt stimmten, taten dies mehrheitlich aus ihrer Hoffnung auf eine «günstige» Alterswohnung. Woher wissen sie denn, wie «günstig» diese wirklich sein werden? Wie viele von ihnen wohnen auf dem Wesemlin? Ist ihnen die Rücksicht auf das Quartierbild, auf die Nachbarschaft und auf den zu erwartenden zusätzlichen Verkehr völlig Wurst? Sie sind sich wohl kaum bewusst, was da auf unser harmonisch gewachsenes Wesemlin-Quartier zukommt – und werden staunen. Hauptsache «günstig».

Gerhard Färber, Luzern

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