Leserbriefe
Afghanistan: Die Welt hätte schon 2020 reagieren sollen

«Die Menschen fürchten Rache der Taliban», Ausgabe vom 18. August und «Vom Leid der Frauen auf dem Land wird niemand erfahren», Ausgabe vom 20. August

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Man traute seinen Augen nicht bei dem, was man in diesen beiden Berichten zu sehen bekommt. Aber weshalb kam diese Diskussion nicht schon vor einem Jahr, nachdem schon im Februar 2020 das sogenannte «Friedensabkommen» zwischen den Taliban und den USA unterzeichnet wurde, welches den Abzug der ausländischen Streitkräfte fixierte?

Glaubte man wirklich, dass man den Saulus zum Paulus wandeln könne? Sind wir so dumm oder so dekadent geworden, dass man sich der sich abzeichnenden, echten Menschenrechtsprobleme nicht mehr annimmt?

Es ist leider ein Wohlstandsproblem, dass man lieber die Augen vor unangenehmen Problemen verschliesst, als nach notwendigen, öfters mühsamen Lösungen zu suchen.

Der Autor Benno Daxx hat in seinem im Frühling 2021 erschienenen Buch «Die wachsende Ungewissheit» mehrmals auf diesen Trend hingewiesen, welcher nicht nur ausländische Konflikte betrifft, sondern auch in unserem täglichen Leben dominiert. Es ist einfacher, zu sagen, «nur keine Panik», als ein neues Phänomen zu untersuchen und rasch zu handeln, wie es beispielsweise im letzten Frühling beim Covid-Ausbruch geschah.

Zeitgerechtes Handeln ist heute nötiger denn je, denn neue Entwicklungen erfolgen aufgrund der Digitalisierung und Globalisierung viel rascher. Faule Ausreden wie, «das haben wir noch nie erlebt, das hat niemand vorausgesehen, das haben wir noch nie gemacht», sollten aus unserem Vokabular verschwinden.

Bruno Merki, Perroy

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