Leserbrief
Die einmalige Chance packen

Zum Leserbrief «Das bringt allen nur Nachteile»», Ausgabe vom 31. März

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Es ist bedauerlich, dass die mögliche neue Verkehrsführung am Pilatusplatz mit verzerrten Halbwahrheiten bekämpft wird, die auf Eigeninteressen beruhen. Ich sehe mich in der Pflicht, das Gröbste aus Alexander Stadelmanns Leserbrief klarzustellen.

Die Y-Verkehrsführung würde «exorbitant teuer». Bitte sachlich bleiben: Aufgerissen wird die Strasse wegen dringend nötiger Tiefbauarbeiten sowieso. Über die anschliessenden Belagsarbeiten gibt es erst Schätzungen und die unterscheiden sich kaum untereinander.

«Der Verkehr fliesst im Ist-Zustand reibungslos.» Blödsinn: Wenn nicht gerade Coronaviren das öffentliche Leben lahmlegen, herrscht auf diesen Achsen zu Stosszeiten täglich Verkehrsüberlastung und der ÖV kommt kaum voran. Mit der Y-Lösung wird der Fahrplan für Buspassagiere zuverlässiger.

Nach dem Umbau würde die Obergrundstrasse beim Hotel Anker «von mehr als einem Bus pro Minute befahren». Hat Herr Stadelmann überhaupt den Fahrplan konsultiert? In Spitzenzeiten wie zwischen 17 und 18 Uhr passieren 37 Kurse das Stadthaus Richtung Kasernenplatz. Davon halten jedoch acht vor der Franziskanerkirche. Es sind also nicht mal halb so viele wie Stadelmann behauptet, und untertags bzw. sonntags sind es noch weniger. Eine Verkehrsberuhigung an solch zentraler Lage ist eine einmalige Chance, die wir packen müssen.

Der angrenzende Stadthauspark sei «ganzjährig zu öffnen, insbesondere auch an Wochenenden und am Abend». Ob das die Anwohnerinnen und Anwohner dort ebenfalls finden?

Was Herr Stadelmann verschweigt: Mit der Y-Lösung wird der gefährliche ampellose Fussgängerstreifen an der Ecke des Stadthauses obsolet – ein Unfall-Hotspot weniger in der Stadt. Ausserdem wird eine neue Querung für Velos ermöglicht, was mit dem heutigen Regime undenkbar wäre.

Alexander Stadelmann ist Geschäftsführer des TCS, einer Lobbyorganisation für Autofahrer. Er hat ein persönliches Interesse daran, dass weiterhin alle von ausserhalb mit ihren SUV in die Stadt brausen können. Da vertraue ich lieber der Lobby der Bewohnerinnen und Bewohner; die Quartiervereine befürworten die Y-Lösung nämlich.

Mario Stübi, Luzern, SP-Grossstadtrat, Mitglied Baukommission und Verkehrskommission

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