Leserbrief
Corona und die Crux mit der Prävention

«Drum mach dir einen Plan», Ausgabe vom 2. Mai

Merken
Drucken
Teilen

Mitte März wurden durch den Bundesrat drakonische Massnahmen zur Unterbindung der Transmission des äusserst aggressiven Coronavirus verhängt. Er handelte zu jenem Zeitpunkt pragmatisch und konsequent in Reaktion auf die uns aufgezwungenen Umstände. Der bereits eingetretene Schaden riesigen Ausmasses verschaffte ihm die Legitimität und Rückendeckung für solch unpopuläres Tun und Handeln. Den involvierten Regierungskreisen und Ämtern gebührt dafür Anerkennung.

Die Frage bleibt im Raum stehen, ob sie auch zeitgerecht und proaktiv handelten. Mit den heute bekannten Zahlen und Fakten zu Entstehung und Verlauf der Corona-Epidemie ist man geneigt, dies zu verneinen. Nicht nur wurde der inzwischen den meisten Einwohnern bekannte Pandemieplan nicht umgesetzt, sondern man wird den Eindruck nicht los, dass es im BAG überhaupt kein Frühwarnsystem gibt, welches unmissverständlich anschlägt, sobald sich eine länderübergreifende Epidemie abzeichnet (Thailand, Südkorea, Taiwan) und diese das Potenzial zur Pandemie haben könnte.

Sollten die Sirenen jedoch entgegen meiner Annahme im BAG Anfang bis Mitte Januar geheult haben, so haben wir sie in der übrigen Schweiz nicht gehört. Und eben darin liegt die Crux, dass das Verhängen von präventiven, drastischen Massnahmen vor Schadenseintritt äusserst unpopulär und politikfern ist, weil dann schlicht und einfach die Rechtfertigung dafür (noch) fehlt. Deshalb wartet man ab und beobachtet zuerst, auch wie andere Länder vorgehen.

Weitere Krisen werden folgen, so sicher wie das Amen in der Kirche. Man kann nur hoffen, dass aus der jetzigen Pandemie und ihrer beinahe apokalyptischen Auswirkung auf unser tägliches Leben und die Wirtschaft die richtigen Lehren gezogen werden, und der Prävention von solchen Jahrhundertereignissen ein grösserer Stellenwert eingeräumt wird, so unpopulär das auch sein mag.

Hans Bryner, Sachseln