Leserdebatte
Auf stabile Beziehungen zu Europa setzen oder die bewährten Verbindungen kappen?

Zur eidgenössischen Abstimmung über die Begrenzungsinitiative am 27.September

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Die Zehn-Millionen-Schweiz sei ohne grosse Probleme möglich. Wir müssten uns eben nur noch besser organisieren und noch intelligenter nach innen und unten verdichten. So raten es uns zahlreiche Vertreter aus Politik und Wirtschaft. Und so kann auch der Bundesrat voller Überzeugung fordern: «Angesichts des nationalen Bevölkerungswachstums gilt es, die landwirtschaftliche Produktion zu steigern». Dies obwohl unsere oberste Behörde weiss, dass die Ausbreitung von Siedlungs-, Industrie- und Verkehrsflächen der Hauptgrund für den Verlust von Agrarland ist.

Den Ausstieg aus diesem Schneeballsystem von Zuwanderung und Verdichtung will aktuell nur die Schweizerische Volkspartei. Zusammen mit Idealisten und Naturfreunden wollen sie die Schweiz vor der Übernutzung bewahren. Alle anderen, selbst die Grünen, wollen keinen Ausstieg aus diesem zerstörerischen Wirtschafts- und EU-Diktat, welches auf die Schönheit und Vielgestaltigkeit der Schweiz keine Rücksicht nimmt. Der EU selbst kann es zur Zeit noch egal sein, wenn wir hier zu einem Singapur der Alpen werden. Für unser Land aber ist die Selbstbeschränkung das Gebot der Stunde. Nehmen wir den Fuss vom Gaspedal und stimmen wir am 27. September Ja zur Begrenzungsinitiative.

Beat Meister, Hochdorf


Lassen Sie zu Hause Tag und Nacht die Türe weit offen? Vermutlich nicht. Die Schweiz allerdings schon! In den letzten 13 Jahren sind über eine Million Menschen eingewandert. Es stimmt, wir brauchen Einwanderung. Diese muss aber massvoll sein. Eine der vielen Folgen der massiven Zuwanderung ist die Umweltzerstörung. Aufgrund dieser Million Menschen, die in den letzten 13 Jahren zugewandert sind, musste eine Fläche von 57000 Fussballfeldern zubetoniert werden und auf den Strassen sind 543000 zusätzliche Autos unterwegs. Wer ein Herz für unsere Schweiz und unsere Umwelt hat, der stimmt am 27. September Ja zur Begrenzungsinitiative. Jede Stimme zählt, die zum Teil vom Ausland finanzierte Kampagne der Gegner macht es uns nicht einfach.

Lucian Schneider, Willisau, Vizepräsident JSVP Kanton Luzern


Wie man der Presse entnehmen konnte, setzen sich vier Bundesräte dafür ein, die SVP-Initiative mit allen Mitteln zu verhindern. Allen voran die FDP mit ihrer Bundesrätin Karin Keller Suter. Ihr und allen anderen Parteien inklusive Economiesuisse ausser der SVP geht es um kurzfristige Vorteile und man vergisst die bleibenden Schäden, die ich nachstehend aufliste.

Sie handeln nach dem Prinzip, mit kurzfristigen Vorteilen die Taschen zu füllen und denken: Nach mir die Sintflut. Alle Nachteile mit einer 10 oder sogar 15 Millionen-Schweiz sind ihnen egal. Ebenso die einer total zubetoniert Landschaft und verstopften Autobahnen. Überfüllte Züge und ein Gedränge beim öffentlichen Verkehr drohen.

Wegen dem stetigen Platzmangel setzt man neuerdings auf verdichtetes Bauen. Aber es ist nicht jedermanns Sache, so zu wohnen wie in einem Kaninchenstall. An unseren Schulen wird es auch immer schlechter, weil viele Kinder d.h. bis zu 80 Prozent pro Klasse sprachunkundig sind und den Unterricht behindern.

Dann das Schlimmste: Immer mehr Arbeitnehmer 50+ verlieren ihre Stelle und werden durch Ausländer ersetzt. Durch diesen Unsinn, immer mehr Ausländer in die kleine Schweiz zu lassen werden auch unsere Sozialwerke wie AHV-IV-Arbeitslosenkasse in den Ruin getrieben. Und die Frage, wer zahlt die Schulden die überall entstehen: Natürlich der Steuerzahler.

Es gäbe noch viele Punkte aufzulisten. Eines ist aber so sicher wie das Amen in der Kirche: Wenn wir jetzt nicht bald einen mutigen Schritt zum Anhalten machen, werden wir bald böse Überraschungen erleben. Und wer die Lügen aus Bern glaubt und entsprechend stimmt, wird spätestens wenn er selbst auf der Strasse steht, merken, dass er am 27.September 2020 falsch gestimmt hatte. Aber um das zu verhindern empfehle ich Ihnen, mit mir ein Ja in die Urne zu legen.

Vinzenz Vogel, Ebikon


Am 27.September stimmen wir über die sogenannte Kündigungsinitiative der SVP ab. Sie verlangt das Ende der Personenfreizügigkeit mit den EU und EFTA-Staaten und ist bereit, dafür einen hohen Preis zu zahlen: Kündigung des gesamten Vertragspakets der Bilateralen. Sie sind das Kernstück der Beziehungen zwischen der Schweiz und der EU. Die SVP- Initiative nimmt uns dauerhaft die Freiheit weg, überall in Europa zu leben, zu lernen und zu arbeiten. Diese unsinnige und zerstörerische Initiative verdient ein wuchtiges Nein der Schweizerinnen und Schweizer beim Urnengang am 27.September.

Franz Wüest, Zell


Aus der IT-Branche ist bekannt, dass komplexe Systeme nur dann funktionieren, wenn sie richtig miteinander vernetzt sind. Was für Computer gilt, ist in Wirtschaft und Politik nicht anders: Um erfolgreich zu sein, braucht es eine starke Vernetzung. Das beste Beispiel hierfür liefern die bilateralen Verträge. Sie garantieren der Schweiz stabile Beziehungen zu Europa. Von dieser internationalen Vernetzung profitieren nicht nur zahlreiche Unternehmen, sondern auch die Bildung, die Forschung und der Tourismus in unserem Land.

Die SVP scheint dies wenig zu interessieren. Die Befürworter der Kündigungsinitiative wollen die bewährten Verbindungen zu Europa kappen. Sollte die gefährliche Vorlage am 27. September angenommen werden, könnte genau das passieren. Oder anders formuliert: Mit der Auflösung der Bilateralen Verträge droht der Schweizer Europapolitik der Absturz.

Während bei Computern in solchen Fällen ab und zu ein Neustart hilft, wäre dies bei der Kündigungsinitiative nicht so einfach möglich. Nicht einmal die Initianten selbst wissen, wie die Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und der EU in Zukunft aussehen könnte. Eine befriedigende Lösung scheint in weiter Ferne. Immerhin: Indem wir am 27.September ein klares Nein in die Urne werfen, können wir dafür sorgen, dass es gar nicht erst zum europapolitischen System-Crash kommt.

Michael Arnold, Landrat CVP, Altdorf