Dorers nächster Halt
Wintereinbruch

Letzte Woche schneite es im Aargau - und Schneeeinbrüche sind Horrortage für Buschauffeure. Dann kommt auch die Zeit der Drängler und Nörgler, die sonst nie Bus fahren. Ein Glück, gibt es für diese eine klare Order.

Christian Dorer
Christian Dorer
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«Wir wünschen uns Schnee in den Bergen, nicht auf den Strassen rund um Lenzburg.»: Gelenkbus in Lenzburg.

«Wir wünschen uns Schnee in den Bergen, nicht auf den Strassen rund um Lenzburg.»: Gelenkbus in Lenzburg.

Ich hatte Glück am vergangenen Samstag. Der Himmel öffnete seine Schleusen, so weit er konnte, dazu gab es starke Windböen. Doch die Temperatur erreichte 6,5 Grad, und so kam nur Wasser vom Himmel. Schade für den schönen Schnee, gut für uns Busfahrer. Wir wünschen uns Schnee in den Bergen, nicht auf den Strassen rund um Lenzburg.

Immerhin hat Petrus den ersten Schneeeinbruch dieses Winters perfekt terminiert. Zwischen Weihnachten und Neujahr hat es erstens weniger Passagiere im Bus und zweitens weniger Autos auf der Strasse.

Und so verlief vergangene Woche alles mehr oder weniger gesittet. Normalerweise jedoch bedeuten Schneeeinbrüche Horrortage für Buschauffeure. Man kommt auf Schnee ohnehin weniger schnell vorwärts, fährt wie auf Eiern. Garantiert schlittern dann irgendwo ein paar Autos mit Sommerpneus herum und blockieren alles. Dann steigen jene hochgeschätzten Fahrgäste ein, die sonst nie den Bus nehmen. Ausser eben bei viel Schnee. Sie kosten Zeit, weil sie ein Einzelbillett lösen müssen. Und sie kosten Nerven, weil oft ausgerechnet sie zur Eile mahnen, da sie gefälligst den Anschlusszug zu erwischen hätten. Wenns dann nicht reicht, haben sie einen guten Grund gefunden, für den Rest des Jahres wieder mit dem Auto zur Arbeit zu fahren. Für Drängler und Nörgler gibt es zum Glück eine klare Order der Betriebsleitung: Sicherheit geht vor. Anschlusszug hin oder her.

In ganz seltenen Fällen fällt ein Kurs aus, vor allem auf den Bergstrecken von Fahrwangen nach Bettwil und von Boniswil nach Leutwil. Dann, wenn der Räumungsdienst mit seinem Salzstreuer noch nicht durchgefahren und die Strasse spiegelglatt ist. Da nützen auch die Winterreifen am Bus nichts mehr oder der Anti-Schleuder-Kurs, den jeder Chauffeur absolviert hat. Schneeketten haben die RBL-Busse nicht dabei – bis man die nur montiert hätte ...

Apropos Räumungsdienst: In gewissen Gemeinden wünschte man sich, die Haltestellen würden besser geräumt. Mancherorts türmte sich selbst am Samstag noch ein riesiger Schneehaufen vorne in der Haltestellenbucht, und das Trottoir war nur auf wenigen Metern schwarzgeräumt. Ich war mit einem 18 Meter langen Gelenkbus unterwegs – das Heck ragte wegen der Schneehaufen auf die Strasse raus, und die Passagiere entweder der vordersten oder der hintersten Türe mussten über Schneehaufen klettern.

Glücklicherweise gab es beim Regionalbus Lenzburg während der neusten Schneetage keinen Blechschaden. Der Pikettdienst musste dennoch täglich ausrücken. Einmal hatte ein Bus in Staufen eine Panne und machte keinen Wank mehr – wegen einer defektenSicherung, wie sich später herausstellte. Ein anderes Mal liess ein Chauffeur am frühen Morgen seinen Schlüssel in der Kaffeemaschine des Aufenthaltsraums stecken – und schloss sich aus Versehen aus dem Depot aus.

Und dann gab es doch noch einen kleinen Unfall auf Glatteis: Ein Chauffeur rutschte in Teufenthal auf dem Weg zum WC aus und verletzte sich dabei leicht. Das zeigt einmal mehr: Im Bus ist man sicherer unterwegs als zu Fuss.

Christian Dorer ist Chefredaktor der Aargauer Zeitung. Er hat den Car-Ausweis und fährt in seiner Freizeit einmal pro Monat beim Regionalbus Lenzburg.

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