Polemik
Wenn Fleischesser Vegetarismus predigen

Jaja, im Online-Journalismus hat man es nicht einfach: Schnell muss man sich den Vorwurf gefallen lassen, Katastrophen auszuschlachten. Doch jene, welche lauthals über die «Sensations-Presse» klagen, sind oft ihre treusten Leser. Eine Polemik.

Martin Probst
Martin Probst
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Sensationsgier oder Sensationsgeier?

Sensationsgier oder Sensationsgeier?

Keystone

Sie melden sich gerne zu Wort. Die Moralapostel mit Wut im Bauch. «Hört endlich auf, Unglücke medial auszuschlachten», schreiben sie empört in die Kommentarspalten der grossen Onlinemedien. Dabei sind sie selbst die besten Kunden – und der Beweis für das Interesse an den Geschichten.

Sie klicken gierig auf die Meldung und verschlingen deren Inhalt, um dann per Kommentar energisch darauf hinzuweisen, dass man die Opfer doch endlich in Ruhe lassen soll. Schlimm sei sie, die Sensationsgier.

Ernsthaft? Das ist, als wenn man mit der Schweinswurst in der Hand Vegetarismus propagiert: heuchlerisch – und unglaubwürdig. Dieses Phänomen lässt sich auch abseits des Netzes beobachten. Zum Beispiel immer dann, wenn sich Menschen über TV-Formate wie die «Bachelorette» enervieren, um dann in der Kaffeepause im Detail über den Inhalt mitzusprechen.

Aufrichtig wäre einzig ein Verzicht. Also vorleben, was man propagiert. Doch dann würde es den Kritisierenden langweilig.

So schwingen sie lieber weiterhin die Moralkeule, ohne Rückgrat zu beweisen.

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