De Schepper
«Was Blocher Wurst ist» zum Zweiten: Wie sein Springer Conchita sieht

Für Christoph Blochers «überparteiliches Komitee Nein zum schleichenden EU-Beitritt» kämpft ein alter Bekannter an der Front: «Schweizerzeit»-Verleger und alt-Nationalrat Ulrich Schlüer. Wie denkt der Mann?

Werner De Schepper
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Kolumnist Werner De Schepper

Kolumnist Werner De Schepper

Nordwestschweiz

Ad fontes. Zurück zu den Quellen. Manchmal lohnt es sich, nachzuschauen, wo Bartli den Most holt. Zum Beispiel wenn es um das letzte Gefecht von SVP-Altmeister Christoph Blocher geht.

Dafür hat er ein «überparteiliches Komitee Nein zum schleichenden EU-Beitritt» gegründet. In diesem Komitee wird alles aufgesaugt und auf Linie gebracht, was irgendwie gegen die EU ist - von der SVP bis zur Auns.

Über 80 Organisationen sollen schon dabei sein - und Tausende von Einzelmitgliedern. Dieses Komitee ist Blochers Vehikel fürs letzte Gefecht: Dafür will der abgetretene Volksvertreter mindestens 5 Millionen aufwerfen.

Wer aber macht die Drecksarbeit? Wer füttert die Texte auf der Homepage? Wer ordnet für Blocher die Reihen? Wer sorgt dafür, dass alle auf Linie bleiben und immer genug Treibstoff gegen die EU im Kessel ist?

Ein Blick auf die Homepage des Komitees «gegen den schleichenden EU-Beitritt» zeigt, wo der Most gegen die EU herkommt: aus dem Zürcher Weinland. Die Adresse des Komitees ist das Postfach 23 in 8416 Flaach. Das Postfach 23 ist das Postfach der Zeitung «Schweizerzeit». Chefredaktor ist der abgewählte Volksvertreter Ulrich Schlüer, ein Weggefährte Blochers der ersten Stunde.

Mit ihm hat Blocher in den Achtzigerjahren bereits in der «Arbeitsgruppe Südliches Afrika» für Verständnis für das damalige Apartheid-Regime geworben, mit ihm hat Blocher die Auns hochgezogen.

Wie aber denkt der Mann, der für Blochers Komitee die Post und den Most macht? Lesen wir Ulrich Schlüers Kommentar in der «Schweizerzeit» zu Eurovisions-Siegerin Conchita Wurst: «Offen gesagt: in welcher geschlechtsüberwindenden Gefühlslage sich Frau oder Herr Wurst (oder aber einfach Wurst) wohlfühlt, ist uns so wurst wie ihr/sein Aussehen. Was mich indessen anekelt, was mir - biblisch gesprochen - ein Gräuel ist, ist der uns von den Medien und den sie steuernden Ideologie-Funktionären auferlegte Zwang, dieses Wesen zu feiern, als hätte es uns den Aufstieg in eine höhere Sphäre der Menschheit geschenkt, in der die althergebrachte Schöpfung endlich der Entsorgung zuzuführen sei ...»

Und während in Wien der katholische Kardinal Schönborn versichert, er werde für Conchita um Gottes Segen beten, da es «im bunten Garten Gottes» auch Menschen gebe, die sich dem jeweils anderen Geschlecht zugehörig fühlten, vertraut Blochers Postfach-Verwalter Schlüer auf Putins Werteordnung: «Da respektiere ich jenen Russen weit mehr, der mutterseelenallein gegen das Medienkartell anschwimmt und wagt, jenes Wort - Dekadenz - offen auszusprechen, das bereits zu viele höchstens noch still für sich zu denken sich getrauen.»

Der Mann, der heute für Blochers wichtigstes Komitee den sauren Most presst, vertraut lieber dem schwulenfeindlichen Russland Putins als der EU, dem Friedensprojekt des aufgeklärten Europas. Das aber ist Blocher Wurst.