Kommentar
Operation am offenen Herzen

Die Sika-Angestellten haben gestern erstmals von der Gründerfamilie ihrer Firma gehört, wieso sie sich nach über 100 Jahren von ihrer Firma verabschiedet und dafür 2,75 Milliarden Franken kassiert.

Andreas Schaffner
Andreas Schaffner
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Sika soll für 2,75 Milliarden Franken verkauft werden

Sika soll für 2,75 Milliarden Franken verkauft werden

Keystone

Es ist fast zwei Monate her, seitdem der Verkauf ihrer Stimmenmehrheit an den französischen Konzern Saint-Gobain öffentlich bekannt wurde. Bei allem Verständnis für den Verkauf an sich: Das ist zu spät.

Man kann nicht so einen Schritt machen und danach den Kopf in den Sand stecken. Diese Nicht-Kommunikation liess die Gegner des Deals, die vor allem im Verwaltungsrat sitzen, erst zur Höchstform auflaufen. Sie zogen alle Register: Finanzierten die teuersten Berater, liessen Alt-Verwaltungsräte aufmarschieren, und sie ziehen die Angestelltenvertreter auf ihre Seite.

Was bei diesem Kampf um eines der erfolgreichsten Industrieunternehmen der Schweiz in den Hintergrund trat, ist die Frage: Was nützt der Firma, und damit den Angestellten der Sika, am meisten? Die Unabhängigkeit mit einem starken Familienaktionär wie bisher oder integriert in einem grösseren Firmenkonglomerat, das durchaus gezeigt hat, dass es mit anderen Schweizer Tochterfirmen pfleglich umgeht. So besitzt Saint-Gobain etwa den Sanitär-Grosshändler Sanitas Troesch oder Isover, die Dämmstoffe aus Glaswolle herstellt.

Diese Nicht-Kommunikation hat nun zur Folge, dass die Diskussion blockiert ist. Dass Gerichte jahrelang über dem Fall brüten. Und was am schlimmsten ist: dass die auf ihre Kultur stolzen Sika-Mitarbeiter während dieser Zeit noch mehr verunsichert sind.