Medienkolumne
Spotify vs. Neil Young: Hat es auf dem grössten Streaming-Portal keinen Platz für die Moral?

In seinen Podcasts verharmlost Joe Rogan die Coronapandemie. Das geht gar nicht, findet Neil Young und zieht seine Musik vom Portal. Doch wem ist damit wirklich geholfen?

Raffael Schuppisser
Raffael Schuppisser
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Der Rockstar Neil Young (links) hat ein ausgeprägtes moralisches Gewissen. Der Podcaster Joe Rogan (rechts) findet die Pandemie nicht so schlimm.

Der Rockstar Neil Young (links) hat ein ausgeprägtes moralisches Gewissen. Der Podcaster Joe Rogan (rechts) findet die Pandemie nicht so schlimm.

Keystone

Der Streamingdienst Spotify hat acht Millionen verschiedene Künstler im Angebot. Dennoch ist die Plattform offenbar zu klein für zwei so grosse Egos wie Joe Rogan und Neil Young: Rogan ist der erfolgreichste Podcaster auf Spotify, hat einen Rechtsdrall und verharmlost die Pandemie gerne. Neil Young ist ein alternder Rockstar mit einem ausgeprägten moralischen Gewissen.

Wenn sich Spotify nicht vom umstrittenen Podcaster trenne, werde er seine Musik vom Portal abziehen, drohte Young. Spotify ging nicht auf die Forderung ein, und der Musiker liess den Worten Taten folgen. Nun muss er auf 60 Prozent seiner Streaming-Einnahmen verzichten, ist dafür aber mit seinem Gewissen im Reinen. Das ist die eine Seite der Geschichte.

Die andere: Auch 60 Prozent seiner Fans müssen nun ohne seine Musik auskommen. Freilich, sie könnten zu Amazon, Apple oder Google wechseln. Doch was, wenn da ein anderer ihrer Lieblingsmusiker aus Gewissensbissen den Austritt gibt? Dann müssten die Hörer gleich mehrere Streaming-Dienste abonnieren und würden damit die kapitalistisch tickenden Tech-Konzerne noch reicher machen. Ein Dilemma.

Was also ist die Moral von der Geschichte? Dass in einer digitalisierten, globalisierten, vernetzten Welt gar kein Platz mehr für die Moral bleibt? Das wäre schlimm. Zum Trost immer hin: Die Plattenverkäufe ziehen seit geraumer Zeit wieder an.