Medienkolumne
Donald Trump lanciert eine neue App – sein Problem: Er ist kein Teenie-Star

Vor einem Jahr wurde der ehemalige US-Präsident von Twitter und Facebook verbannt. Nun startet er sein eigenes soziales Netzwerk. Die ideologische Zersplitterung der Social-Media-Welt ist gefährlich.

Raffael Schuppisser
Raffael Schuppisser
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AP Photo/Alex Brandon

Donald Trump von den sozialen Medien auszuschliessen, war nicht schwer. Vor einem Jahr nach dem Sturm aufs Kapitol verbannten ihn Twitter und Facebook. Doch auch die mächtigen Tech-Konzerne können den Ex-Präsidenten nicht daran hindern, ein eigenes soziales Netzwerk zu lancieren. Diese Woche wurde bekannt, dass im Februar Truth Social im App Store bereitstehen wird. Die Richtlinien von Apple sind bekanntlich strikt, doch auch der 3-Billionen-Dollar-Konzern kann die Trump-App nicht einfach so aussperren.

Die Zersplitterung der Social-Media-Welt in ideologisch gefärbte Netzwerke ist gefährlich. Die oft beklagte Filterblase – die dafür sorgt, dass linke Meinungen nur von linken gehört werden und rechte nur von rechten – wird so vollends undurchdringbar. Auf Trumps Netzwerk werden die Seinen unter sich sein. Niemand wird ihren Meinungen widersprechen.

Beruhigend allerdings ist, dass es bisher keines der diversen alternativen Netzwerke geschafft hat, eine kritische Grösse zu erreichen. Telegram mag unter Verschwörungstheoretikern populär sein, ein Massenmedium ist es nicht. Der Grund liegt im Netzwerkeffekt: Ein soziales Netzwerk mag technisch noch so gut gemacht sein, wenn die «Freunde» nicht da sind, ist es langweilig (deshalb starb auch Google+). Wer als Neuling Erfolg haben will, muss die jüngste Generation ansprechen, die virtuell noch nicht sesshaft ist. Deshalb ist Tiktok so schnell so gross geworden. Die Treiber der Tech-Innovationen sind nicht die Polit-Trolle, sondern die Teenie-Influencer. Das ist beruhigend.

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