Kommentar
Zentral bei der Löschaktion: Der Unterschied zwischen Facebook und der Migros

In Australien hat Facebook die Links zu allen Nachrichten gelöscht. Darf das Unternehmen das überhaupt?

Raffael Schuppisser
Raffael Schuppisser
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Facebooks Aktion ist ein grosses Thema in den traditonellen Medien.

Facebooks Aktion ist ein grosses Thema in den traditonellen Medien.

Rick Rycroft / AP

Damit gedroht haben Tech-Konzerne schon mehrmals, nun hat Facebook in Australien Ernst gemacht: Über Nacht sind alle Links zu Nachrichten auf dem sozialen Netzwerk verschwunden. Der Konzern will damit einem Gesetz vorgreifen, das gerade im australischen Parlament verhandelt wird. Es sieht vor, dass Facebook und Google für die Nutzung von Links zu Inhalten von traditionellen Medien eine Gebühr zahlen müssen.

«Dann verzichten wir halt darauf!», lautet die Trotzreaktion von Facebook-Chef Mark Zuckerberg. Auf den ersten Blick leuchtet tatsächlich nicht ein, warum Facebook dafür bezahlen soll, wenn ein User einen Link zu einem Beitrag einer Zeitung postet. Schliesslich führt das dazu, dass mehr Nutzer den Weg auf das entsprechende Newsportal finden.

So kann dieses mehr Werbeeinnahmen generieren. Die Sache ist aber die: Die meisten Werbeeinnahmen werden nicht auf den Portalen selbst gemacht, sondern schon davor: auf Facebook und Google. Für die Websites selber bleiben nur noch die Brosamen übrig.

Mit seiner Trotzreaktion – bei der nicht nur Inhalte zu Nachrichtenportalen, sondern auch zu Seiten der Regierung und Nichtregierungsorganisationen gelöscht wurden – hat Mark Zuckerberg den Zorn auf sich gezogen.

Human Rights Watch nennt es «skrupellos», einem ganzen Land den Zugang zu «lebenswichtigen Informationen» zu nehmen. Darf denn Facebook als private Firma nicht selber bestimmen, was auf seinem Portal steht und was nicht? Schliesslich entscheidet beispielsweise die Migros auch selber, welche Markenprodukte in den Regalen stehen und dass alkoholische Getränke hier nichts zu suchen haben. So ist das in der Marktwirtschaft.

Allerdings gibt es einen bedeutenden Unterschied: Facebook und Google sind nicht einfach Privatunternehmen, die an einem Markt teilnehmen. Sie haben jeweils selber einen neuen Markt, ein geschlossenes Ökosystem, geschaffen, das sie kontrollieren. Das macht es so schwierig, ihnen beizukommen. Und deshalb sind solche Gesetze, wie jenes in Australien, bloss behelfsmässige Versuche, eine Schieflage auszugleichen, deren Ursprung eigentlich viel tiefer liegt.