Kommentar
Gleiche Gesinnung als Voraussetzung für eine Geschäftsbeziehung: Eine falsche Kontrolle

Die Raiffeisenbank verweigert dem Verein «Nein zur Ehe für alle» die Eröffnung eines Bankkontos — aus Angst vor einem Reputationsschaden. Doch wo kommen wir hin, wenn man nur noch Verträge abschliesst mit jenen, die moralisch vermeintlich auf der Seite der Guten stehen?

Kari Kälin
Kari Kälin
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Die Raiffeisenbank verweigert dem Verein «Nein zur Ehe für alle» die Eröffnung eines Bankkontos — aus Angst vor einem Reputationsschaden.

Die Raiffeisenbank verweigert dem Verein «Nein zur Ehe für alle» die Eröffnung eines Bankkontos — aus Angst vor einem Reputationsschaden.

Keystone

Die Raiffeisenbank verweigert dem Verein «Nein zur Ehe für alle» die Eröffnung eines Bankkontos. Als Begründung verweist sie auf einen Reputationsschaden, den sie aber nicht näher ausführt. Die Vermutung liegt nahe, dass sich das Finanzinstitut vor negativen Reaktionen fürchtete: Die drittgrösste Bank der Schweiz geschäftet mit stockkonservativen, homophoben Verfechtern eines verstaubten Eheverständnisses. Pfui!

Ähnlich gelagerte Beispiele aus der Geschäftswelt gab es jüngst immer wieder. In den sozialen Medien entzünden sich in Windeseile Shitstorms. Der Druck auf die Unternehmen steigt, sich politisch korrekt zu positionieren. Ein Beispiel dafür lieferte im letzten Sommer die Post. Sie kündigte via Twitter an, die Zusammenarbeit mit Influencerin Mirjam Jäger zu beenden, nachdem ihr ein Onlinemob– fälschlicherweise – Rassismus unterstellt hatte.

Man muss die Argumente der Gegner der gleichgeschlechtlichen Ehe nicht teilen, um zum Schluss zu kommen: Einen demokratisch legitimierten Verein abzuweisen, ist falsch. Wo kommen wir hin, wenn man nur noch Verträge abschliesst mit jenen, die moralisch vermeintlich auf der Seite der Guten stehen? Gesinnungskontrollen als Voraussetzung für eine Geschäftsbeziehung passen schlecht zu einer offenen Gesellschaft. Ohnehin kämpft die Raiffeisen mit einem weit grösseren Reputationsrisiko aus den eigenen Reihen: dem Fall Vincenz.

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