Kommentar
Die Unternehmen rücken wieder näher an den Staat – eine gefährliche Entwicklung

Filz-Vorwürfe wurden laut, als der frühere SP-Chef Christian Levrat zum Post-Präsidenten gewählt wurde.

Patrik Müller
Patrik Müller
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Prägte die SP zwölf Jahre lang: Christian Levrat

Prägte die SP zwölf Jahre lang: Christian Levrat

Keystone

Weite Teile der Politik und der ­Medien schrien Zeter und Mordio, als der Bundesrat den früheren SP-Chef Christian Levrat zum Post-Präsidenten wählte. Da sieht man es wieder, lautete der Tenor: In den Bundes- betrieben werden die Posten an gut vernetzte Politiker verschachert.

Abgesehen davon, dass Levrat ein profunder Kenner der Post ist, zeigt nun eine Analyse aller Verwaltungsräte: Die Berufung eines Parteimitglieds ist in den bundesnahen Betrieben zur Ausnahme geworden. Zu dieser Wende beigetragen hat wohl das Debakel der Swissair, bei der die altgediente FDP-Prominenz, unbefleckt von Branchenkenntnissen, ein Abonnement auf Topmandate hatte. Bei Post und SBB wurden oft SP- und CVP-Doyens mit Ämtern belohnt.

Wer nun aber glaubt, die bundesnahen Betriebe seien weniger abhängig von der Politik, der irrt. Seit Simonetta Sommaruga (SP) das Verkehrs- und Kommunikationsdepartement leitet, rücken die Unternehmen wieder näher an den Staat. Nicht weil es diese so wollen, sondern weil es die Politik so will.

Die SBB sind zum Instrument der Klimapolitik geworden, die Post zum Symbol des Randregionen-Protektionismus, und das Parlament will selbst dem Chef der börsenkotierten Swisscom den Lohn deckeln. Eine gefährliche Entwicklung, denn sobald sich die Politik einmischt, wirds teuer. Umso wichtiger ist, dass die Betriebe starke, unabhängige Verwaltungsräte haben.