Kommentar
Das Virus wird viele Kinder erreichen, bevor die Impfung da ist

Es hilft Eltern nicht, wenn der Bundesrat immer noch vom «Schutz der Kinder» redet. Das ist aktuell nur Augenwischerei.

Sabine Kuster
Sabine Kuster
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Es wird noch dauern bis auch für unter 12-Jährige ein Impfstoff zugelassen ist.

Es wird noch dauern bis auch für unter 12-Jährige ein Impfstoff zugelassen ist.

Keystone

Die ungeimpften Kinder sollen geschützt werden. Das sagten am Dienstag Bundesrat Alain Berset wie auch Taskforce-Präsidentin Tanja Stadler. Mit regelmässigem Testen in Schulen, CO2-Messgeräten und Luftfiltern in den Zimmern. Was sie nicht sagten, ist: Wie lange sollen sie denn geschützt werden?

Vermutlich wird erst 2022 ein Impfstoff für unter 12-Jährige zugelassen. Doch bis dahin dürfte ein grosser Teil der Kinder sich mit der hochansteckenden Virusvariante infiziert haben. Der «Schutz der Kinder» ist also eher ein «Schutz der Spitäler»: Massnahmen, die sich nur auf Schulen beschränken, können das Infektionsgeschehen nur etwas abbremsen, damit jene Kinder, die schwer an Corona erkranken, sofort einen Platz im Spital erhalten und die bestmögliche Behandlung bekommen.

Dass der Bundesrat die Kinder also der Durchseuchung überlässt, traut er sich nicht klar zu kommunizieren. Denn Corona hat mit Delta noch einmal an Schrecken zugelegt. Doch verwedeln hilft nicht. Auch den Eltern und ihren Ängsten nicht.

Die Lage ist zu offensichtlich: Es bleibt Eltern von Kindern nichts anderes übrig, als die Situation zu akzeptieren und das Beste zu hoffen. Sie müssen – wie bei anderen Infektionen der Kinder, gegen die es keine Impfung gibt – auf ihre Widerstandsfähigkeit vertrauen. Und sich selber impfen lassen. Damit weniger Viren verbreitet werden und die Verläufe aller mild bleiben.

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