Wahlen 2015
Junge Wähler, an die Urne!

Auch am 18. Oktober werden mehr Alte als Junge an die Urne gehen. Dabei müssten die kommenden Wahlen gerade die Jungen besonders interessieren.

Michael Wanner
Michael Wanner
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Wollen mit Easyvote mehr Junge zum Wählen bewegen: Alexandra Molinaro und Nicola Jorio.Manuel Lopez.

Wollen mit Easyvote mehr Junge zum Wählen bewegen: Alexandra Molinaro und Nicola Jorio.Manuel Lopez.

Manuel Lopez/LIVEIT.CH

Wieso sollten am 18. Oktober vor allem auch Junge an die Urnen gehen? Ganz einfach: Entscheidungen zu den bilateralen Verträgen und zur Energiewende werden die Stellung der Schweiz in einer globalisierten Welt für Jahrzehnte prägen.

Das überragende Thema der kommenden Legislatur sind aber die Sozialwerke, insbesondere die Reform der AHV. Und hier besteht ein Interessenkonflikt zwischen den Generationen. Während Junge ein Interesse an einem dauerhaft tragfähigen System der Altersvorsorge haben, wollen die über 55-Jährigen in erster Linie möglichst hohe Renten.

Deutlich auf die Interessen dieser älteren Wählerschichten zugeschnitten ist der Reformvorschlag, den der Ständerat vor Monatsfrist unter Federführung der SP und mithilfe der CVP verabschiedet hat. Obwohl die AHV ab diesem Jahr in ein Defizit rutscht – und dieses bis 2030 auf jährlich 9 Milliarden steigen wird –, will der Ständerat die erste Säule sogar noch ausbauen. Um 840 Franken pro Rentner und Jahr. Damit sollen Einbussen in der beruflichen Vorsorge kompensiert werden.

Ein hehres Ziel. Bloss: Bezahlen sollen es hauptsächlich die Jungen. Der Ausbau soll über zusätzliche Lohnprozente finanziert werden. Auch die Mehrwertsteuer soll erhöht werden. Besonders stossend: Das Problem ist damit nicht etwa gelöst, sondern nur verschoben. Spätestens 2030 braucht es die nächste Reform. Und die wird nicht billiger.

Durch die zusätzlichen 840 Franken pro Rentner wird die Finanzierungslücke der AHV nach 2030 wieder deutlich wachsen. Der Vorschlag des Ständerats kann nur als Wahlgeschenk an ältere Wähler verstanden werden. Die Frage sei zudem erlaubt, ob der im Durchschnitt fast 60-jährige Ständerat sich ähnlich leidenschaftlich für den Vaterschaftsurlaub eingesetzt hätte. Eine höhere Wahlbeteiligung der Jungen könnte dem Parlament den nötigen Mut einhauchen für Reformen, die auch langfristig tragen.

Den Bericht zum Thema lesen Sie hier.

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