Kolumne zu den Schulabgängern
Ist wirklich Ex-Regierungsrat Rainer Huber schuld?

Schulabgänger sollen im Aargau grosse Defizite im Rechnen und Schreiben haben. Stimmt das? Es gibt Stimmen dafür und dagegen. Doch sicher nicht Recht hat ein prominenter SVP-Vertreter.

Hans Fahrländer
Hans Fahrländer
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Schulabgänger (Symbolbild).

Schulabgänger (Symbolbild).

Aargauer Zeitung

Das Aargauer Bildungsjahr 2015 ist lanciert: Vor 10 Tagen hat der Seenger Unternehmer Markus Möhl, Präsident der Berufsschule Lenzburg, in der «Aargauer Zeitung» grosse Defizite bei den Volksschulabgängern beklagt. Es gebe Lehrlinge, welche für den Bereich über 10 den Taschenrechner benötigten, gravierende Defizite beim Lesen und Schreiben aufwiesen und überdies nicht belastbar seien. Seither läuft eine heisse Debatte. Die Berufsschule Lenzburg meldet, sie bekomme haufenweise bestätigende Rückmeldungen. Anderseits wehren sich Exponenten der Volksschullehrer und der Bildungspolitik: Man trete jederzeit den Beweis an, dass das durchschnittliche Leistungsniveau der heutigen Schülergeneration gestiegen und nicht gesunken sei.

Eine besonders schöne Reaktion zu den Entwicklungen in der Schule Aargau habe ich von einem prominenten Vertreter der SVP erhalten (ich verzichte darauf, seinen Namen zu nennen, um ihn nicht blosszustellen): «Sie, lieber Herr Fahrländer, haben immer alles geschützt, was Rainer Huber und Co. an Änderungen in der Volksschule brachten. Der SVP haben Sie jegliche Kompetenz in Bildungsfragen abgesprochen. Nun liegt das Ergebnis Ihrer Bemühungen vor.»

Natürlich ist es genau umgekehrt: Die Reformen, die Rainer Huber und Co. der Volksschule verpassen wollten, wurden unter Führung der SVP vom Volk in globo gebodigt. Nun liegt das Ergebnis dieser Verweigerung vor. Zu diesen Reformen gehörten zum Beispiel: Niveaukurse, um Begabungen gezielt zu stärken. Oder: Eine andere Struktur und Schülerverteilung an der Oberstufe, damit der schwächste Leistungszug nicht zur Restschule verkümmert, in welchem es immer schwerer wird, gute Leistungen zu vollbringen. Die Aarauer Erziehungswissenschaftlerin Margrit Stamm sagte damals vor der Abstimmung über Hubers Bildungskleeblatt: «Es ist wichtig, dass die Schwächeren nicht eine Randgruppe bleiben.»

Das Kleeblatt ist Geschichte. Heute sind Rainer Hubers Nachfolger gefordert. Vielleicht kann nun die Debatte unideologisch nachgeholt werden, wie wir die Gruppe der schwachen Volksschüler wirksam verkleinern könnten.

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