Fall Bonstetten
Es darf keine offenen Fragen mehr geben

Oliver Graf über Kuschelvorwürfe und die Pflichten der Justiz.

Oliver Graf
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Der 65-jährige Schweizer (vorne rechts) hat das Gutachten selbst in Auftrag gegeben. (Archivbild)

Der 65-jährige Schweizer (vorne rechts) hat das Gutachten selbst in Auftrag gegeben. (Archivbild)

Keystone

Der Fall hatte hohe Wellen geworfen: Der Mann aus Bonstetten, der – aufgewühlt in einem ihn zermürbenden Sorgerechtsstreit – in einem Winterthurer Hotel seinen fünfjährigen Sohn getötet hatte. Im «Fall Bonstetten» schienen die wichtigen Fragen längst geklärt zu sein. Das Bezirksgericht Winterthur hatte den heute 65-Jährigen schon vor zwei Jahren zu einer 18-jährigen Freiheitsstrafe verurteilt.

Doch die Berufungsverhandlung vor dem Zürcher Obergericht wurde gestern unerwartet unterbrochen und vorerst aufgeschoben. Der Fall sei noch nicht spruchreif, befand das Gericht. Denn der erstinstanzlich wegen Mordes verurteilte Mann hatte kurzfristig ein neues Gutachten eingereicht. Dieses Gutachten schliesst nicht aus, dass er – entgegen den offiziellen psychiatrischen Gutachten – an einer Autismus-Form leiden könnte, die auch therapierbar sein könnte.

Dass das Obergericht nun einen Stopp reisst und erst einmal weitere Abklärungen veranlasst, hat nichts mit der am Stammtisch viel gescholtenen Kuscheljustiz zu tun. Das neue Gutachten ist zwar ein Parteigutachten, das der Bonstetter selber in Auftrag gegeben hatte.

Und es ist inhaltlich natürlich ganz im Sinne der Verteidigung ausgefallen. Wäre es anders, hätte sie es ja auch gar nicht erst bei Gericht eingereicht. Mit dem Prozessunterbruch ist aber noch nichts entschieden.

Das Gutachten wirft nur neue Fragen auf, die das Gericht seriös beantwortet haben will. Denn, trotz Parteigutachten, steht noch immer eine Verwahrung des 65-Jährigen im Raum. Da darf es keine offenen Fragen geben.

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