Kommentar
Ausschluss von Schweizer Forschenden: Aus Frust über den Spielabbruch droht Eigengoal Nummer 2 der EU

Die EU-Kommission hat nicht vor, mit der Schweiz bald über eine Teilnahme am 95-Milliarden-Forschungsprogramm «Horizon Europe» zu verhandeln. Der Brüsseler Nadelstich würde die eigenen Leute treffen.

Remo Hess
Remo Hess
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Die EU zieht einen teilweise Auschluss von Schweizer Forschenden in Betracht.

Die EU zieht einen teilweise Auschluss von Schweizer Forschenden in Betracht.

Keystone

Die Schweiz mag beim Rahmenabkommen vor dem Schlusspfiff das Spielfeld verlassen und damit die EU vor den Kopf gestossen haben. Aber jetzt ist Brüssel drauf und dran, aus Frust über den Spielabbruch ein Eigengoal zu schiessen. Mit dem nur schon teilweisen Ausschluss von Schweizer Forscherinnen von der EU-Kooperation wäre der Ball versenkt. Die EU-Kommission würde ausgerechnet jene international vernetzten Kreise piesacken, die zu den europafreundlichsten in der Schweiz gehören.

Ohnehin studieren, lehren und forschen Abertausende EU-Bürger an den Schweizer Bildungseinrichtungen. Der Brüsseler Nadelstich würde die eigenen Leute treffen. Es wäre schon das zweite Eigengoal, das die EU auf ihr Konto nehmen müsste. Das erste war der Entzug der Börsenäquivalenz im Jahr 2018, der ausser bösem Blut niemanden etwas gebracht hat. Genau deswegen ist auch die Kohäsionsmilliarde im Schweizer Parlament bis heute blockiert. Der Bundesrat möchte sie eigentlich auf den Herbst freigeben.

Der Aufbau einer Drohkulisse bei der Forschung könnte das Vorhaben aber vorzeitig abwürgen. Es ist schwer zu verstehen, weshalb manche EU-Funktionäre das Gefühl haben, mit solchen Retourkutschen irgendetwas Positives in der Schweiz erreichen zu können. Mit sachfremden Strafaktionen werden sich alle bestärkt fühlen, die ohnehin schon immer gegen ein Rahmenabkommen gewesen sind.

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