De Schepper
Die Treppe zu Ecopop

Im Fricktal erzählt man sich folgende Geschichte: Der Aargauer Regierungsrat Stephan Attiger lud die Gemeinderäte aus der Region zu einer Orientierungsversammlung ein. Dabei redet der Baudirektor auch über raumplanerische Grundsätze.

Werner De Schepper
Werner De Schepper
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Stephan Attiger.

Stephan Attiger.

Alex Spichale

Da geschieht etwas Eigenartiges. Ein Gemeindeammann – im ganzen Land für seine tiefgrünen Ansichten wohlbekannt – ergreift das Wort und beklagt sich beim Regierungsrat, dass der Kanton so streng mit seiner Gemeinde umgehe und keine weiteren Einzonungen von Landwirtschaftsland zu Bauland erlaube. Nicht mal dort, wo schon ein Schöpfli stehe, dürfe man noch einzonen. Ja, er selber sei ein Opfer dieser raumplanerischen Strenge und könne so nicht mal die Treppe zu seinem Haus, die dummerweise in der Landwirtschaftszone steht, einzonen.

Ja, genau so sei es gewesen. So habe dieser Gemeindeammann geredet, bezeugt eine Gemeinderätin, die es mit eigenen Ohren gehört hat.

So wie dieser Gemeindeammann jammern viele Gemeindeammänner im Land. Jeder kämpft um Einzonungen. Denn Einzonungen bedeuten mehr Bauland, mehr Wachstum. Genau deshalb zersiedelt aber auch die Schweiz bis weit in kleine Dörfer hinein. Weil hier ein Schopf zu einem Einfamilienhaus wird, dort eine Treppe zu einem Wintergarten oder ein Stall zu einem Lagerhaus.

Nun aber muss man wissen, dass der Fricktaler Gemeindeammann, der für sich und sein Dorf Einzonungen fordert, ein eifriger Missionar der Ecopop-Initiative ist. Einer Initiative notabene, die von sich behauptet, es gehe ihr beim rigiden Kampf gegen die Zuwanderung nicht um Fremdenfeindlichkeit, sondern einzig und allein um Massnahmen gegen die wachsende Zersiedlung und Zubetonierung des Landes.

Genau so wie dieser Gemeindeammann funktioniert Ecopop. Sie wollen eine Mauer ums ganze Land, um selber mehr Platz vor der eigenen Haustür zu haben – es geht ihnen nur um die Treppe zu ihrer eigenen Welt. Eine Zone ganz für sich. Damit ihnen niemand die Sicht nimmt und kein Fremder vor die Füsse tritt.

Ein für das Gemeinwohl verantwortlicher Exekutivpolitiker aber, dem es letztlich nur um den eingezonten und abgeschotteten Zugang ins private Glück geht und der draussen vor der Tür keine anderen Menschen mehr sehen will, predigt vielleicht gern grünen Tee, aber schluckt ganz bestimmt kräftig auch mal braunes Bier.

Werner De Schepper ist Kolumnist der «Nordwestschweiz» und Moderator von Tele M1.