Dorers nächster Halt
Die entscheidenden beiden Knöpfe des neuen Schmuckstücks

Der neue Mercedes-Gelenkbus der Regionalbus Lenzburg ist mit allerlei Neuerungen ausgerüstet: Kameras, Bildschirme und Knöpfe, über deren Funktionen ein Chaffeuer Bescheid zu wissen muss. Die Busfahrer-Kolumne von Chefredaktor Christian Dorer.

Christian Dorer
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Der neue RBL-Gelenkbus in Lenzburg.

Der neue RBL-Gelenkbus in Lenzburg.

Kürzlich hat der Regionalbus Lenzburg einen Mercedes-Gelenkbus einer neuen Generation in Betrieb genommen. Kein Chauffeur darf ihn fahren, ohne vorher an einer Instruktion teilgenommen zu haben. Und so finde ich mich eines Abends im Depot ein, wo der technische Betriebsleiter Ruedi Willi uns das Fahrzeug erklärt.

Kann ja nicht allzu kompliziert sein, so ein neuer Bus. Doch wie so oft liegen die Tücken im Detail – genauer: bei einem neuen Knopf. Dieser befindet sich schräg oberhalb des Lenkrads, und nur mit ihm lässt sich das Türchen öffnen, durch das der Chauffeur auf seinen Fahrerplatz gelangt. Bei allen anderen Bussen kann man einfach an der Türe ziehen. Neu also ein Knopf. Das tönt simpel. Doch man stelle sich die Peinlichkeit vor, wenn ein Chauffeur über das Türchen klettern müsste, weil er nicht weiss, wie öffnen ...

Das Türchen öffnet sich übrigens neuerdings nach hinten und nicht mehr, analog zu einer Autotüre, nach vorne. Der Grund: Der Chauffeur hat so bei einer Bedrohung einen direkten Fluchtweg zur Vordertüre und raus aus dem Bus. Das ist zum Glück in Lenzburg nicht von Belang, doch dieselben Busse verkehren in den Metropolen dieser Welt. Und dort ist es gefährlicher als in Lenzburg.

Einen zweiten Knopf müssen wir uns auch unbedingt merken: denjenigen zum Zurücksetzen der Tür-Notöffnung. Der Bus hat – neue Vorschrift – innen und aussen Nothähne, mit denen die Passagiere jede Türe jederzeit öffnen und so den Bus blockieren können. Immer mal wieder verwechselt jemand den Nothahn mit dem normalen Türknopf. Weiss der Chauffeur nicht, wie deblockieren, ist die Fahrt zu Ende.

Innerhalb der nächsten halben Stunde erklärt Ruedi Willi uns alle Eigenheiten, zeigt uns den topmodernen Euro-6-Motor. Wir erfahren, wo sich der Notschalter befindet, um alles abzustellen, und wo der Notschalter, um den Motor zu starten. Wie wir Birnen auswechseln – und dass diejenige fürs Fernlicht stolze 80 Franken kostet. Was allerdings bei einem Gesamtpreis des Busses von rund 500 000 Franken nicht gross ins Gewicht fällt. Am Fahrerplatz gibt es allerlei neue Funktionen, Messmöglichkeiten und Bildschirme. Fünf Kameras sind im Fahrzeug montiert, bloss der Chauffeur wird, zu unserer Beruhigung, nie gefilmt. Was die Kameras aufzeichnen, bleibt 72 Stunden lang erhalten und kann, zum Beispiel bei einem Vandalenakt, ausgewertet werden.

Ich freue mich auf den ersten Einsatz mit dem neuen Bus – und bin froh, dass er auf der Linie nach Bettwil eingesetzt wird. An der Endstation hat man 23 Minuten Aufenthalt. Genug Zeit, um all die neuen Schalter und Knöpfe und Funktionen auszuprobieren.

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