Kolumne
Eine Seilbahn fürs Sisslerfeld

Über die Neuansiedlung von Unternehmungen im Sisslerfeld und die damit verbundene Verkehrszunahme.

Hansueli Bühler
Hansueli Bühler
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Es besteht kein Zweifel, das Fricktal ist eine attraktive Region. Viele gute Arbeitsplätze, schöne Wohnlagen und eine intakte Natur und Landschaft. Hinzu kommt die gute Verkehrsanbindung an die grossen Zentren von Basel und Zürich. Kein Wunder, dass das Fricktal ein überdurchschnitt­liches Bevölkerungswachstum verzeichnet. So hat sich die Einwohnerzahl in den letzten 50 Jahren von 44000 auf heute 85000 nahezu verdoppelt.

Der stete Zuwachs an wertschöpfungsreichen Arbeits­plätzen und Steuern zahlenden Bewohnerinnen und Bewohnern hat dazu geführt, dass aus dem Armenhaus der Vorkriegszeit eine florierende und attraktive Region geworden ist. Die Kehrseite der Medaille ist der stark zunehmende Verkehr.

Die geplante Neuansiedlung von Unternehmungen im Sisslerfeld wird die Situation in den angrenzenden Gemeinden weiter verschärfen, wenn nicht entsprechende Massnahmen getroffen werden. Die kritischen Punkte befinden sich in Eiken bei der Einmündung der Laufenburgerstrasse in die Hauptstrasse und in Stein auf der Schaffhauserstrasse bei der Fridolinsbrücke.

Verbesserungen auf der höheren Ebene

Bei meiner Gemeinderatstätigkeit habe ich gelernt, dass bei der Lösung von lokalen ­Verkehrsproblemen immer auch die übergeordnete Ebene einzubeziehen ist. Man könnte die beiden kritischen Situation in Eiken und Stein mit Massnahmen vor Ort zwar kurzfristig entschärfen. Das Problem würde jedoch bestenfalls vertagt und ganz bestimmt früher oder später einfach nur verlagert.

Solche Massnahmen vor Ort müssen darum zwingend mit Verbesserungen auf der höheren Ebene ergänzt werden. Gemeint ist sowohl die Autobahn wie auch die Eisenbahn. Stichworte dazu sind ein neuer Rheinübergang bei Sisseln als Verbindung der Autobahnen beidseits des Rheins, die Elektrifizierung der Eisenbahn auf der deutschen Seite mit grenzüberschreitendem Tarifverbund sowie der Kapazitätsausbau der S-Bahn nach Basel. Projekte, die zum Teil bereits angedacht oder sogar in ­Planung sind, die jedoch auch rasch umgesetzt werden ­müssten.

Erstaunlicherweise finden sich in den bisher veröffentlichen Unterlagen zur Entwicklung des Sisslerfeldes keine Hin­weise auf eine neue Brücke als Verbindung der Autobahnen diesseits und jenseits des Rheins. Aus meiner Sicht müssten die betroffenen Gemeinden jetzt Dampf ­machen.

Parkhaus zwischen Bad Säckingen und Murg

Als Alternative hat ein guter Kollege aus Handballerzeiten kürzlich bei einem Feierabendbier eine neue Idee ins Spiel gebracht: Zwischen Bad Säckingen und Murg sei ein Parkhaus zu erstellen und von dort sollen die Arbeitsplätze im Sisslerfeld mit einer Seilbahn über den Rhein erreicht werden.

Eine Bieridee? Finde ich nicht, je länger ich darüber nachdenke. Bereits heute wohnen viele deutsche Grenzgänger in den weit verstreuten Gemeinden des Hotzenwaldes, aus denen die Bewältigung des Arbeitsweges mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht funktioniert. Mit der laufenden ­Weiterentwicklung des Sisslerfeldes wird diese Zahl weiter zunehmen. Die Seilbahn würde die Pendlerströme rund ums Sisslerfeld und bei den Grenzübergängen in Laufenburg und Stein reduzieren. Sie könnte zudem zur Attraktion der Region werden. Das für die Ansiedlung neuer Unternehmen vorgesehene Gebiet soll ja gemäss den Leitlinien über eine hohe Aufenthaltsqualität verfügen und als Naherholungsraum für die Bevölkerung zugänglich sein.

Aussergewöhnliche Situationen erfordern eben auch aussergewöhnliche Massnahmen.