Kommentar
Tun wir genug gegen das Leid?

56,7 Millionen Menschen mussten bis Mitte 2014 wegen bewaffneter Konflikte aus ihrer Heimat fliehen.

Michael Wrase
Michael Wrase
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Millionen Menschen wurden 2014 aus ihrer Heimat vertrieben. Und es ist zu befürchten, dass die Zahl der Heimatlosen in diesem Jahr weiter ansteigen wird. Sie wird ansteigen, weil eine Lösung der Konflikte, ob im Nahen – und Mittleren – Osten oder in Afrika nicht absehbar ist. Warum gibt es keinen Frieden? Weil die Konfliktparteien keinen wollen, lautet meist die gängige Antwort. Doch die ist falsch.

Fast alle Kriege in der Welt sind Stellvertreterkriege, also Konflikte, in denen Staaten Milizen, Banden und Terrorgruppen finanzieren, damit diese ihre strategischen Interessen vertreten. Länder wie Qatar und Saudi-Arabien beispielsweise unterstützten Dschihadisten. Das sogenannte prowestliche Pakistan hilft den Taliban. Westliche Regierungen wissen um die Machenschaften ihrer Verbündeten. Und schweigen. Oder schlimmer noch: Sie liefern Waffen, um die Konflikte weiter anzuheizen. Sie machen sich damit mitschuldig am Elend der syrischen und afghanischen Flüchtlinge, das wir täglich beklagen.

Wir regen uns auf, dass die Zahl der verzweifelten Heimatvertriebenen, die nach Europa wollen, ständig zunimmt. Niemand geht aber auf die Strasse, um für eine Lösung der zahlreichen Konflikte in der Welt zu demonstrieren. Für eine Lösung, zu der West und Ost mit einer Politik der Vernunft mitbeitragen könnten, falls sie dies wirklich wollten. Unsere Hilfe für die Millionen Heimatvertriebenen müssen wir fortsetzen. Noch wichtiger wäre allerdings Druck auf die Regierenden. Es wäre zumindest ein Ansatz, um den so fatalen Kreislauf von Krieg und Vertreibung endlich zu durchbrechen.

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