Kommentar
Das Ende des Sonderzugs

Balz Bruder
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Der Föderalismus ist in der Historie verankert.

Der Föderalismus ist in der Historie verankert.

Urs Flüeler/Keystone

Es gehört zu den föderalistischen Eigenheiten unseres Landes, dass sich in den staatspolitischen Respekt vor der Stellung der Kantone zuweilen auch etwas Stolz über spezifische Standeseigenheiten in das Lob unserer Verfasstheit mischt. In Normalzeiten – was war das eigentlich?, ist man versucht zu fragen – hat dieser Kantönligeist zuweilen etwas Charmantes. Doch in besonderen bis ausserordentlichen Lagen ist er nur störend. Auch wenn eine zögerliche Landesregierung, die der Geschwindigkeit des mutierenden Virus nicht annähernd zu folgen vermag, den Ruf nach mehr Subsidiarität geradezu herausfordert.

Was uns am Ende auch immer von der Coronageissel befreien wird: Selbst wenn nicht immer ganz klar ist, was nun nützt, wenn es um die Reduktion der Fallzahlen geht, ist es ein Zeichen des Fortschritts, dass nicht mehr jeder Kanton selber herausfinden muss, was hilft. Dass dabei Massnahmen dazugehören wie das Besuchsverbot von Haushalten mit fünf Personen, ist in diesem Konzept ebenso inbegriffen wie die Tatsache, dass hierzulande unverdrossen Ski gefahren wird. Logisch zusammenzubringen ist das Regelungskonvolut schon lange nicht mehr. Und es gibt auch keinen Weg zurück. Vorwärtsschauen ist allenthalben angesagt. Selbst wenn es zuweilen schwer fällt. Und uns allmählich Müdigkeit erfasst. Umso grösser wird nach gehabten Mühen die Freude sein, in einem Land zu leben, dass in föderalistischer Manier auch die Folgen dieser unsäglichen Pandemie bewältigen wird

balz.bruder@chmedia.ch