Persönlich
Wo blieben die Geister und Superhelden?

Alice Guldimann
Alice Guldimann
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Ausser einigen Lausbubenstreichen blieb es an Halloween ruhig. (Symbolbild)

Ausser einigen Lausbubenstreichen blieb es an Halloween ruhig. (Symbolbild)

Keystone

Ein bisschen gespannt war ich schon, als ich am Mittwochabend zu Hause auf dem Sofa sass und darauf wartete, dass es klingelt. Es war mein erstes Halloween in der Stadt und ich war auf alles gefasst. Die Superhelden-Kostüme, die Süssigkeiten-Säckli, das vielstimmig gekreischte «Süsses oder Saures». So war es auf jeden Fall damals bei uns. Halloween war für uns Kinder das Grösste.

Unsere Eltern liessen uns ziehen, ohne Begleitung und ohne Handy-Überwachungs-App. Wir zogen in grossen Gruppen durchs Dorf und stritten uns, wer die Klingel beim gefürchteten Nachbarn betätigen muss. Jedes Jahr hatten wir einen Spruch oder ein kurzes Gedicht auf Lager, um uns die Schoggi und die Täfeli zu verdienen.

Nicht alle, die wir besuchten, waren begeistert. Viele waren auf die bettelnden Hexen und Geister nicht vorbereitet. Wir wussten genau, bei wem es auch mal ein Zehnernötli anstelle der Süssigkeiten abzustauben gab. Waren wir mit unserer Beute zufrieden, zogen wir uns zu einem von uns nach Hause zurück. Die Eltern servierten heissen Punsch oder Hot Dogs und wir teilten unsere Errungenschaften auf. Wehe, jemand hatte ein Ragusa oder einen Kinderriegel mehr als der andere.

Also war ich gespannt, was sich die Kinder aus dem Quartier ausgedacht hatten. Natürlich wäre auch ich eine von denen gewesen, die keine Süssigkeiten im Schrank haben. Ob ich im Ernstfall etwa einen Zweifränkler zücken sollte?

Doch so weit kam es nicht. Niemand klingelte, keine Geister und Superhelden zogen durchs Quartier. Das Einzige, was ich von Halloween mitbekam, waren lärmende Partygänger, die mich nach zwei Uhr nachts aus dem Schlaf rissen. Zugegeben, ich war etwas enttäuscht.

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