Mein Leben im Dreiland
Warten auf PSG, Monaco und Lyon

Richtig spannend ist für die Fussballfans im Dreiland dieses Jahr eigentlich nur der Blick ins Elsass, denn dort spielt Racing Strasbourg im Kampf um den Aufstieg in die Ligue 1 mit.

Peter Schenk
Peter Schenk
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Racing Strasbourg spielt zuhause gegen Lens und gewinnt mit 3:1.

Racing Strasbourg spielt zuhause gegen Lens und gewinnt mit 3:1.

RC Strasbourg Alsace / Franck Kobi

Ansonsten herrscht um die Spitzenklubs vornehme Langeweile: Der FCB liegt mit 17 Punkten Vorsprung so gut wie uneinholbar an der Spitze der Super League und um den regelmässig gegen den Abstieg spielenden SC Freiburg muss man sich nicht wirklich Sorgen machen. Trotz einer 0:3 Heimniederlage am Samstag gegen Borussia Dortmund bleibt er auf dem sicheren 9. Rang.

Obwohl Racing am Freitag durch ein 0:2 zu Hause gegen Clermont leichtfertig die Chance verspielte, sich auf Rang zwei festzusetzen, bleibt die Chance intakt, als Dritter am Ende der Saison gegen den 18. der 1. Liga um den Aufstieg zu spielen. Nach knapp zehn Jahren Pause würden dann wieder französische Spitzenvereine wie Paris Saint-Germain, Monaco oder Lyon in der Meinau, dem Stadion von Racing, zu sehen sein.

Zuletzt spielten «Les Bleus», wie sie aufgrund ihrer blau-weissen Vereinsfarben genannt werden, vor knapp zehn Jahren in der ersten französischen Liga. Unvergessen ist für ältere elsässische Fussballfans die Saison 1978/1979, als Gilbert Gress Racing als Trainer zur französischen Meisterschaft führte.

2011 ging es nach einem Konkurs allerdings gründlich in den Keller. Racing wurde bis in die 5. Liga zurückgestuft, stieg aber in den drei folgenden Jahren wieder in die 3. Liga auf, von wo er es letztes Jahr bis in die 2. Liga schaffte. Selbst in der 3. Liga blieben die Fans dem Club treu: In der Saison 2015/2016 fanden durchschnittlich knapp 16 000 Zuschauer den Weg in die Meinau. Damit wäre Racing selbst in der höchsten französischen Liga beim Zuschauerschnitt auf Rang 12.

Neben den Fans spielt auch Präsident Marc Keller eine wichtige Rolle beim neuerlichen Erfolg des Vereins, bei dem er selber gespielt hat. Der sechsfache französische Nationalspieler, der auch beim Karlsruher SC in der Bundesliga und in England aktiv war, hat das Präsidentenamt seit 2012 inne. Für die 2. Liga gab er als Losung den Klassenerhalt aus. Von Schritt zu Schritt gelte es den Club wieder aufzubauen, sagte er Ende 2016 in seiner Jahresbilanz, betont bemüht, keinen Hype um einen möglichen weiteren Aufstieg anzufachen.

Ein Thema ist dieser trotzdem. Was es für viele Jahre nicht mehr geben wird, sind die elsässischen Derbys mit dem FC Mulhouse. Dieser steht abgeschlagen auf dem letzten Platz sogar vor dem Abstieg in die 5. Liga. Schlecht steht es auch um den langjährigen Bundesligisten Karlsruher SC, der auf Rang 16 der 2. Bundesliga vor sich hin dümpelt.

Ich halte auf jeden Fall Racing die Daumen. Neben Bayern München und Borussia Dortmund beim SC Freiburg wären dann auch wieder die französischen Spitzenklubs in der Region live zu sehen. Mit dem neuen Stadion in Freiburg, das mit 35 000 Plätzen erheblich mehr Plätze als das alte Schwarzwaldstadion (24 000 Plätze) hat, steigen ab der Saison 2019/2020 zudem die Chancen, für deutschen Spitzenfussball auch Karten zu bekommen. Es sei denn, der SC steigt vorher wieder ab. Das wäre nicht das erste, sondern bereits das fünfte Mal. Wenn ich ehrlich bin, ist das meine grösste und nicht ganz unbegründete Sorge.

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