Basler Kommentar
Von Fantasterei und Schwarzmalerei

Die Positionen in Energiefragen sind zwei Extreme. Die einen warnen vor hohen Energiekosten und drohenden Blackouts, die anderen meinen, ein Atomausstieg sei «kein Problem». Der Basler Kommentar über die Widersprüche in der Schweizer Energiepolitik.

Daniel Stolz
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Das AKW in Leibstadt

Das AKW in Leibstadt

Keystone

Der Weg ist das Ziel! Diese chinesische Weisheit ist genau so richtig wie Sokrates Erkenntnis: «Wer weiss, dass er nichts weiss, weiss schon viel». Ich wünschte mir, dass diese Slogans als grosse Schriftzüge im Nationalrat angebracht würden. Und wenn dann über Energiepolitik diskutiert wird, diese Schriftzüge als Warnung wild blinken. Diese Warnung ist nötig, denn gerade in der Energiepolitik werden leider beide Weisheiten von beiden Seiten mit Füssen getreten.

Die einen malen den wirtschaftlichen Untergang an die Wand, sollte die Schweiz auch nur einen Atomausstieg versuchen. Steigende Energiekosten und Blackouts seien die unweigerlichen Folgen. Unsinn! Niemand kennt die Zukunft. Mir erzählte man in den 90er-Jahren, dass wir spätestens ab dem Jahr 2000 ein zusätzliches KKW benötigen würden oder wir hätten Energieversorgungsengpässe. Haben wir dieses KKW? Haben wir Energieengpässe? Zwei Mal nein, haben wir nicht.

Leider ist die andere Seite noch unvernünftiger: «Den Ausstieg kann man einfach beschliessen.» Unsinn! Er verheisst enorme Investitionen in neue Technologien, erneuerbare Energien und das Energiesparen. Kosten, Folgen und Wirkung sind schlicht nicht abschätzbar. Wir können die technologische Entwicklung nicht voraussehen. «Wer weiss, dass er nichts weiss, weiss schon viel».

Denken wir zurück ins Jahr 1980. Handy, iPad und Internet gab es in der TV-Serie «Star Trek», nicht aber in der Realität. Wer weiss, was für Durchbrüche uns erwarten - oder auch nicht. Was in 35 Jahren sein wird, wissen wir nicht. Wir wissen schon viel! Alle konkreten Voraussagen über einen Zeitraum von mehr als 10 Jahren sind schlicht unseriös. So auch Pläne, die besagen, bis ins Jahr 2050 aus der Atomenergie auszusteigen. Der Weg der Energiewende benötigt einen realistischen, pragmatischen Plan. Das hat auch Bundesrätin Leuthard erkannt und darum ihren Plan zum Ausstieg zeitlich reduziert, wenn auch, meines Erachtens, zu wenig stark. Sie hat erkannt: «Der Weg ist das Ziel!»

Ich selber glaube nicht an die Atomtechnologie als die vernünftigste Lösung für unseren Energiekonsum. Des Weiteren ist dies KEIN Plädoyer zum Nichtstun. Im Gegenteil. Schon in der jetzt stattfindenden Session können wir sinnvolle Schritte gemäss einem pragmatischen Plan unternehmen. Daher werde ich vehement die Motion Noser (Verursachergerechte Verrechnung der Stilllegungs- und Entsorgungskosten von Kernkraftwerken) unterstützen, denn dies ist ein Schritt zur Kostenwahrheit bei den KKW. Alles andere ist Schuldenmachen auf Kosten der kommenden Generationen.

Genauso vehement werde ich die Motion Fluri (Solaranlagen. Eine Bestimmung statt 3000 neue Vorschriften) unterstützen, da ich die Förderung alternativer Energien lieber über den Weg des Bürokratieabbaus, als auf den Weg der verfälschenden Subventionierung vorantreibe. Gehen wir zusammen voran. Schritt für Schritt.

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