Kommentar
Verwalten statt gestalten

«Elisabeth Ackermann ist vielleicht im Rathaus, aber ganz sicher nicht in ihrem Amt angekommen. Man kann ihr nur raten, in praktisch jedem Bereich zuzulegen.» Der Kommentar von Chefredaktor David Sieber.

David Sieber
David Sieber
Drucken

GEORGIOS KEFALAS

Genau drei Monate liess sich die Basler Regierungspräsidentin Zeit, um mit den Medien zu reden. Im Nachhinein muss man festhalten: Sie hätte es lieber sein lassen. Fahrig war ihr Auftritt, sichtlich unwohl fühlte sie sich, inhaltsleer waren ihre Worte. Keine Verve, keine Leidenschaft, nichts staatsfrauliches, keine Ideen, keine Visionen, keine eigenen Projekte, keine Botschaft. Ackermann präsentierte sich als Verwaltungsbeamtin, nicht als Aushängeschild eines wirtschaftlich potenten und selbstbewussten Kantons, dessen Interessen sie vertritt.

Es sei ihr in dieser ersten Zeit klar geworden, wie sie das Amt wahrnehmen wolle, sagte Ackermann. Doch klar wurde den Journalistinnen und Journalisten so gut wie gar nichts. Sie lobte die «sehr gute» Stimmung in der Regierung und in ihrem Departement und machte nicht die geringste Anstalt, die alles nivellierende (und vor allem vordergründige) Harmonie auch nur punktuell stören zu wollen. Handlungsbedarf sieht sie eigentlich nirgends, sieht man von den offenen Chefstellen bei der Stadtentwicklung, der Kulturabteilung und der Koordinationsstelle für Religionsfragen ab.

Ein bisschen mehr nach Bern reisen will sie, um unter anderem für das Herzstück zu lobbyieren. Und überhaupt mit den Menschen reden. Sie nennt das eine «360-Grad-Optik gegen aussen». Die allerdings liess schon mal zu wünschen übrig: Über den nun glücklicherweise nicht eingetretenen Fall eines Le-Pen-Wahlsiegs hat sich die Regierung im Vorfeld keine Gedanken gemacht – obwohl Basel-Stadt als Grenzkanton unmittelbar betroffen gewesen wäre.

Fazit: Elisabeth Ackermann ist vielleicht im Rathaus, aber ganz sicher nicht in ihrem Amt angekommen. Man kann ihr nur raten, in praktisch jedem Bereich zuzulegen. Auftritt, Rhetorik und Inhalt. Sonst kommt es tatsächlich so weit, wie diese Zeitung schon einmal vermutet hat, und man wünscht sich Guy Morin zurück.

Aktuelle Nachrichten