Wahlen Basel-Stadt
Und jetzt Geduld

Das Volk hat sich gegen die Extreme und für die Zusammenarbeit entschieden. Jetzt braucht es Vertrauen und Geduld, damit die Regierung alte Fehler korrigieren und neue Vorstellungen umsetzen kann.

Benjamin Rosch
Benjamin Rosch
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Sie wurden bereits im ersten Wahlgang gewählt: Eva Herzog, Christoph Brutschin (beide SP) und Lukas Engelberger (CVP).

Sie wurden bereits im ersten Wahlgang gewählt: Eva Herzog, Christoph Brutschin (beide SP) und Lukas Engelberger (CVP).

Martin Töngi

In den vergangenen Wochen waren fast alle Basler Regierungsräte prominent in den Medien präsent. Das lag nicht nur an den Wahlen, sondern auch an den Ausrutschern, die sie sich leisteten.

Christoph Brutschin erweckt den Anschein, die Hauptpost zu retten – was er aber nicht einlösen kann. Baschi Dürr laboriert weiter daran, wie man die Pfründe des Polizei-Kaders eindämmen kann. Christoph Eymann will nichts zu den Sparplänen der Uni sagen, und zu wichtigen Geschäften im Nationalrat kann er’s nicht, weil er selten in Bern ist. Derweil rumpelt es bei Hans-Peter Wessels weiter in der BVB, und Eva Herzog entfernt sich mit der Unternehmenssteuerreform immer weiter von ihrer Basis.

Das Gesamtgremium geriet zudem in Verruf, als es seinem Präsidenten ein schönes Abschiedsgeschenk spendierte: Die Regierung wählte Guy Morin in den Verwaltungsrat des Felix-Platter-Spitals, vorgeschlagen von Lukas Engelberger.

Es sind solche Momente, die das Gefühl in der Bevölkerung nähren, von einer abgehobenen Kaste regiert zu werden. Dieses Bild entsteht, wenn man die Fehltritte isoliert betrachtet. Doch: Ein einziger Skandal macht nicht mehrere Jahre guten Wirkens zunichte.

Es war ein harter, oft emotional geführter Wahlkampf für einige Kandidaten. Das Offenlegen aller Fehler und Versäumnisse vor den Wahlen ist berechtigt, ja nötig. Dass es jetzt aber im gleichen Stil weitergeht und weiterhin so hart auf die Person gespielt wird, dagegen sprechen zwei Gründe.

Zum einen ist da der Mensch: Regierungsräte müssen damit umgehen, dass ihre Gemütslage von den Medien interpretiert und nach aussen gestülpt wird. Sie müssen aushalten, dass sich ihre Beliebtheit im Volk auf ein Zehntelsprozent genau messen lässt. Wird aber der Wahlkampf zum Dauerzustand, will diesen Job bald niemand mehr machen.

Ausschliesslich ideologisch gefärbte Grabenkämpfe bringen diesen Kanton zudem nicht weiter. Basel hat Stabilität und wirtschaftliche Sicherheit gewählt. Das Volk hat sich gegen die Extreme und für die Zusammenarbeit entschieden. Schon bald hat die Basler Stimmbevölkerung wieder Gelegenheit, Gericht zu halten. Jetzt braucht es aber Vertrauen und Geduld, damit die Regierung alte Fehler korrigieren und neue Vorstellungen umsetzen kann.