Basler Kommentar
Rechtsstaatlichkeit versus Bauchgefühl

Im Quartier von Andrea Elisabeth Knellwolf will sich ein Scientology-naher Verein einquartieren. Das geht dem «Rechtsstaats-Fundi» - wie sie sich selbst bezeichnet - aber gegen den Strich. Der Basler Kommentar zu den Scientologen.

Andrea Elisabeth Knellwolf
Drucken
Teilen
Das Bauchgefühl sagt Nein zur Scientology-Kirche im Quartier.

Das Bauchgefühl sagt Nein zur Scientology-Kirche im Quartier.

Keystone

Sieht ja eigentlich nicht besonders tempelhaft aus» meinte mein Schmidtsi, als ich ihm den schmucklosen Zweckbau Richtung französische Grenze zeigte, in welchem die «Scientology Kirche» dabei ist, ihre neue Zentrale einzurichten - weit und breit kein grosses «Strahlenkreuz» und auch keine gewaltige Eingangspforte. Hoffen wir, dass mein Schmidtsi hier nicht noch sein blaues Wunder erlebt.

Zwar sind wir uns hier ja einiges gewohnt an polarisierenden Sakralbauten und haben in unserem Quartier sogar ein ganz spezielles Exemplar vorzuweisen: Als naive Anfängerin erkannte ich in der St.-Antonius-Kirche an der Kannenfeldstrasse ohne den Hauch eines Zweifels ein altes Fabrikgebäude, und selbst von treuen Gemeindemitgliedern wird sie heute noch augenzwinkernd als «Seelen-Silo» bezeichnet. Mittlerweile sind wir natürlich stolz auf dieses einmalige architektonische Kulturgut aus dem Jahr 1927! Aber das Aussehen ist das kleinste Problem. Auf die inneren Werte kommt es an - und die stimmen für mich halt schon nicht bei der Organisation «Scientology».

So hatte sich letztes Jahr im November eine Gruppe von freundlichen, hilfsbereiten Menschen bei strömendem Regen dem jährlichen «Laubrechen» des Neutralen Quartiervereins im Kannenfeldpark angeschlossen. Das wäre an und für sich löblich und es gäbe dagegen nichts einzuwenden, wenn die Leute nicht alle weisse Westen mit der Aufschrift «Der Weg zum Glücklichsein» getragen hätten. Da sträuben sich mir schon die Nackenhaare, denn es geht mir radikal gegen den Strich, wenn eine Person oder Organisation meint verkünden zu müssen, es gebe einen bestimmten Weg zum Glücklichsein.

Als sich die Gruppe dann auch noch erkundigte, ob sie als Verein bei uns im Neutralen Quartierverein die Mitgliedschaft beantragen könne, schrillten die Alarmglocken und Dank Internet kam zutage, dass es sich bei jenem Verein um eine «Konzern-Tochter» der Scientology handelt. Doch damit das klar ist: Bei Scientology handelt es sich um eine legale Organisation und sie ist - entgegen der landläufigen Meinung - auch in unseren Nachbarländern nicht verboten.

Ich bin ein «Rechtsstaats-Fundi» und betrachte unser pluralistisches Staatssystem als Garanten für Freiheit und Wohlstand. Die Scientology-Kontroverse hat also sachlich zu erfolgen und allfällige Massnahmen haben sich an das geltende Recht zu halten. Die Interpellation, die von der Regierung genaue Auskunft über das Bauvorhaben an der Burgfelderstrasse verlangt und eine detaillierte Begründung haben möchte, warum die Organisation nicht als Gewerbe eingestuft wird, ist ein richtiges Instrument. Doch bei aller Sachlichkeit: Wenn ich eines gelernt habe, so ist es auch auf meinen Bauch zu hören. Und der sagt mir: Eine Scientology-Zentrale will ich hier nicht.

Aktuelle Nachrichten