US-Präsidentschaftswahlen
Wie zornig ist Amerika?

Die US-Politik durchlebt eine turbulente Phase. Nun haben erstmals die Wähler Gelegenheit zu zeigen, wie wütend sie sind.

Renzo Ruf, Des Moines (Iowa)
Renzo Ruf, Des Moines (Iowa)
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Am Montag beginnen in Iowa die Vorwahlen für die US-Präsidentenwahl im November.

Am Montag beginnen in Iowa die Vorwahlen für die US-Präsidentenwahl im November.

KEYSTONE

Monatelang haben sich die Politbeobachter den Kopf darüber zerbrochen, wie wütend das Elektrorat in Amerika ist. In der Nacht auf Dienstag äussern sich nun erstmals die Wählerinnen und Wähler. Doch bereits bevor die Resultate aus Iowa vorliegen lässt sich folgendes sagen: Die Wähler sind wütend. Und frustriert. Sie haben das Gefühl, dass die hohe Politik sich nicht mehr für ihre Leiden und Sorgen interessiert.

Diese Grundstimmung gab in den vergangenen Monaten den Kandidaturen des Neo-Republikaners Donald Trump und des Neo-Demokraten Bernie Sanders Aufwind. Die Unterstützer der beiden Populisten, so unterschiedlich ihr ideologisches Grundgerüst auch sein mag, streben nach recht radikalen Veränderungen. Und sie wollen dem verhassten Establishment in Washington einen Verweis erteilen. Sie setzen damit einen symbolischen Schlusspunkt unter eine turbulente Ära, die mit der Präsidentschaft von Bill Clinton begann: auf den Boom der Neunzigerjahre folgten die Terroranschläge des 11. September 2001, die Kriege in Afghanistan und Irak, der Crash der Finanzkrise und der Wiederaufbau nach der tiefen Rezession.

Es ist dies nicht das erste Mal, dass Amerikas Politik durch eine turbulente Phase geht. Populismus hat eine reiche Tradition in einem Land, in dem europäische Einwanderer lange Jahre den Ton angaben. Deshalb wäre es nun falsch, sich Sorgen über das demokratische Grundgerüst Amerikas zu machen – auch wenn noch völlig offen ist, wer von dieser Welle der Unzufriedenheit profitieren wird.

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