Kommentar
Pascale Bruderer trennt sich von ihrem Ehemann - kein Problem!

Die Aargauer SP-Ständerätin Pascale Bruderer und ihr Ehemann Urs Wyss haben sich getrennt. Was früher politisch noch zu Konsequenzen führte, ist heute kein Problem mehr.

Othmar von Matt
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Pascale Bruderer

Pascale Bruderer

Hansjörg Sahli

Pascale Bruderer und Urs Wyss hatten 2009 geheiratet. Sieben Jahre lang waren die SP-Ständerätin und der Marketingchef von Ticketcorner ein Paar. 2016 trennten sie sich. Kommuniziert haben sie das am Freitag. Zwar gehen sie als Paar eigene Wege. Doch sie leben weiterhin gemeinsam als Familie, mit den Kindern.

Pascale Bruderer: ihre politische Karriere in Bildern Pascale Bruderer erzielte immer wieder glänzende Ergebnisse bei Wahlen, etwa bei ihrer Wiederwahl in den Ständerat 2015.
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 Ihre politische Karriere startete Bruderer als Einwohnerrätin in Baden. Von 1997 bis 2004 bekleidete sie dieses Amt.
 Aargauer Grossrätin war Bruderer nur ein Jahr, von 2001 bis 2002. Danach...
 ...wechselte sie als jüngste Nationalrätin ins nationale Parlament nach Bern.
 Bis im November 2011 gehörte sie der grossen Kammer an.
 Ein Höhepunkt in Bruderers politischer Karriere ist das Jahr als Nationalratspräsidentin (2010). Hier feiert sie die Wahl in ihrer Wohngemeinde Obersiggenthal.
 2011 wählten die Aargauer Stimmbürger Bruderer im ersten Wahlgang in den Ständerat. 2015 schaffte sie – ebenfalls im ersten Anlauf – die Wiederwahl.
 Bruderer wird innerhalb der SP zum sozialliberalen Flügel gezählt, genauso wie der Zürcher Ständerat Daniel Jositsch.
 Ende 2019 ist Schluss: Bruderer verabschiedet sich aus der Politik, obwohl sie immer wieder als Bundesrätin oder Aargauer Regierungsrätin gehandelt wird.

Pascale Bruderer: ihre politische Karriere in Bildern Pascale Bruderer erzielte immer wieder glänzende Ergebnisse bei Wahlen, etwa bei ihrer Wiederwahl in den Ständerat 2015.

Keystone

Justizministerin Simonetta Sommaruga und Schriftsteller Lukas Hartmann sind seit 1996 verheiratet. Inzwischen ist die SP-Bundesrätin aus dem Haus in Spiegel bei Bern ausgezogen. Sie hat eine eigene Wohnung in Bern. Anders als Bruderer und Wyss leben Sommaruga und Hartmann zwar getrennt, sind aber noch ein Paar.

Wenn Franz Steinegger von solchen Geschichten liest, wird er schmunzeln. 1989 waren die Sitten strenger. Er wurde nicht Nachfolger von Bundesrätin Elisabeth Kopp, weil er – noch verheiratet – im Konkubinat lebte. Nur vier Jahre später kam es für SP-Nationalrätin Christiane Brunner noch dicker. Ihr wurde 1993 bei ihrer Bundesrats-Kandidatur eine diffuse Schlammschlacht um ihr Privatleben zum Verhängnis. Gewählt wurde nicht Brunner, sondern Ruth Dreifuss. Sie war ledig, und mit ihr kam erstmals eine Jüdin in die Regierung.

Der wichtigste Schritt in neue Schweizer Lebensrealitäten vollzog sich aber 1995 – mit der Wahl von Moritz Leuenberger. Der Sozialdemokrat setzte mit seiner Biografie der Brüche neue Massstäbe. Er lebte nach einer Scheidung im Konkubinat. Ein Profil, das Symbolwirkung für die urbane Schweiz hatte.

Heute ist vieles entspannter. Die Justizministerin zieht zu Hause aus. Na und? Die Ständerätin trennt sich von ihrem Mann? Kein Problem. Gesellschaftspolitische Selbstverständlichkeiten halten in der Politik Einzug. Und es sind immer Sozialdemokraten, die sie einbringen.

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