Fahrländer
Nichtwähler und ein toller Leuchtturm

Hans Fahrländer
Hans Fahrländer
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Franziska Roth (links) nimmt von Staatsschreiberin Vincenza Trivigno den Siegerstrauss entgegen. Sandra Ardizzone

Franziska Roth (links) nimmt von Staatsschreiberin Vincenza Trivigno den Siegerstrauss entgegen. Sandra Ardizzone

Sandra Ardizzone

15,28 Prozent. Dies ist die Zahl des letzten Wahlsonntags. 15,28 Prozent der Wahlberechtigten im Kanton Aargau haben der neuen Regierungsrätin Franziska Roth ihre Stimme gegeben. Die Wahlbeteiligung betrug 39,8 Prozent, davon haben 38,4 Prozent die SVP-Frau aufgeschrieben, macht, mit meinen spärlichen mathematischen Fähigkeiten gerechnet, 15,28 Prozent der Grundgesamtheit. Nicht gerade viel.

Diese Feststellung richtet sich aber nicht gegen die Siegerin. Sie kann nichts dafür. Betrüblich ist indessen dies: Obwohl eine hoch spannende Regierungsratswahl und eine hochemotionale Abstimmungsvorlage zum Atomausstieg anstanden, erreichte die Stimmbeteiligung im Aargau nicht einmal 40 Prozent. Die 63,6 Prozent vom 28. Februar 2016 mit der Durchsetzungsinitiative bleiben ein einsames Glanzlicht der direkten Demokratie. Ein solcher Mobilisierungsschub passiert wohl nur einmal pro Jahrzehnt. Klar ist indessen auch: Weil sich nur die der Politik Verbundenen an der Wahl beteiligt haben, konnte die Siegerin nur Franziska Roth heissen. Denn der Vorsprung der SVP in der Parteistärken-Rangliste ist erdrückend. 60 Prozent aber interessiert es nicht, wer den Aargau regiert.

Privileg des Jungrentners: Ich verbrachte den letzten Sonntagnachmittag weder mit der Regierungsratswahl noch mit dem Atomausstieg, sondern an einem schönen Ort, nur einen Steinwurf von der Rheingrenze entfernt: im Museum Rehmann in Laufenburg. Namensgeber Erwin Rehmann feierte mit einer grossen Gästeschar seinen 95. Geburtstag – und eröffnete eine neue, faszinierende Ausstellung über «living metals».

Trotzdem hat mich die Politik im Museum wieder eingeholt, genauer die Frage: Gilt der Prophet, der auch in den USA und in Asien bewundert wird, im eigenen Aargauer Land nichts? Laufenburg liebt seinen Rehmann, auch Bundesrätin Leuthard schickte eine Grussadresse – doch der offizielle Aargau glänzte an der Feier, trotz Einladung, durch Abwesenheit. Erwin Rehmann ist fraglos der berühmteste Aargauer Bildhauer der Gegenwart, sein Werk umfasst eine Zeitspanne von 70 Jahren, Plastiken von ihm verschönern den öffentlichen Raum in rund 20 Aargauer Gemeinden, aber auch in Paris, Rom, Turin oder Tucson (USA). Und wenn einer mit 95 noch eine Ausstellung mit neuen Werken eröffnen kann, ist das ja nicht gerade eine Alltäglichkeit. Auch wenn ihm dieser Status bisher verwehrt blieb: Rehmann ist ein wahrer Leuchtturm im Kulturkanton. Das hätte einen Abstecher eines Kultur-Offiziellen nach Laufenburg gerechtfertigt.

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