Polemik
Lieber das Wägeli als die Zugsmitte

Tommaso Manzin
Tommaso Manzin
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Die SBB meldeten am Mittwoch, ihr Verpflegungsangebot im Zug zu ändern. Sehr nüchtern klingt das – und untertrieben. Denn eigentlich kam die Meldung mit einer Prise Kulturrevolution. Nicht, weil das Starbucks-Muffin wegfällt, nein. Es ist die Minibar. Nach 70 Jahren Dienst kommt sie aufs Abstellgleis. Es gehörte zu den Vorfreuden jeder Reise, sich schon bei der Abfahrt zu fragen, wann das «Wägeli» kommt.

Nun wird es ausrangiert. Der emotionslose Ton passt auch nicht zu jenen Durchsagen in drei Sprachen und gefühltem Versmass, die in der «Zugsmitte» ein Dreisterne-Restaurant vermuten lassen. Die SBB erweisen sich bei jedem Fahrplanwechsel noch steigerungsfähig in den Hymnen, die ihre Gastronomie besingen. So wurde zuletzt aus dem «kulinarischen Zwischenhalt» der Genuss «köstlicher Speisen».

Es gibt nur etwas, wozu der unterkühlte Ton der Nachricht passt: Zu dem, was in der Zugsmitte auf den Tisch kommt. Daher, liebe SBB, bitte beim nächsten Fahrplanwechsel etwas mehr Bodenhaftung im Speisewagen. Und lasst uns dafür das fröhlich und bescheiden hin und her durchs Rollmaterial rollende Wägeli.

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