Apropos
Haushälterische Hochkunst

Mario Fuchs, Basel–Luzern
Mario Fuchs, Basel–Luzern
Drucken
Die erste Klasse der SBB.

Die erste Klasse der SBB.

Keystone

Häufiger trägt es sich zuletzt zu, dass in Erstklasswagen der Schweizerischen Bundesbahnen ein Zettel mit geschätzter Schriftgrösse 148 hinter der Schiebetür klebt: «2. Klasse». Für den Zweitklasspendler ist es, als stiege er über eine Schwelle hin zu göttlichem Glück.

Eine Stunde oder zwei zu den offenbar Wichtigen gehören. Das gleiche stickerbeklebte Macbook wie immer auspacken und die Homepage von Junge Journalisten Schweiz aktualisieren, sich dabei diesmal aber fühlen, als trüge jeder Klick Substanzielles zur Erhaltung der nationalen Sicherheit bei. Das Gefühl haushälterischer Hochkunst geniessen, das GA noch ein bisschen mehr herauszuschlagen. Augen schliessen, bewusst spüren. Wie viel breiter der Sitz ist, wie viel weicher. öVIP sein.

So wohlig der temporäre zuggesellschaftliche Aufstieg dem täglichen Fahrgast ist, so verstört sind jene Passagiere, deren Anzahl verbrachter Ferienwochen an den Koffergrössen abgelesen werden kann. Sie haben Flughafen retour gelöst. Ein Ganzes. Sie hieven das Gepäck ungelenk zur Ablage hinauf, obschon der Routinier vom Perron aus sieht, dass die Formate suboptimal aufeinander abgestimmt sind. «Du, do isch Erschti!», nervöselt sie. «Aber det hätts en Zettel a de Tür?», fragt er. Ein junger Mann nickt erhaben hinter seinem Macbook.

Aktuelle Nachrichten