Scheinheilig
Für Fehr, Minder und Hess gilt: Wasser predigen und Wein trinken

Erich Hess profitiert von steigenden Mieten, Thomas Minder von billigen Arbeitskräften und Hans Fehr betreibt eine Art Asylmissbrauch. Dem Kampf gegen die Personenfreizügigkeit wird dies nicht schaden. Meinen sie.

Christian Dorer
Drucken
Teilen
Personenfreizügikeit: Nein, aber.. Hans Fehr (SVP), Thomas Minder (parteilos) Erich Hess (JSVP).

Personenfreizügikeit: Nein, aber.. Hans Fehr (SVP), Thomas Minder (parteilos) Erich Hess (JSVP).

«Lohndruck», «Asylmissbrauch» und «steigende Mieten», dies nur einige Schlagworte mit denen SVP ihre Masseneinwanderungsinitiative flankiert. Das Bild ist gezeichnet: Eine Schweiz, welche von Ausländern regelrecht überrannt wird.

Die Arbeitswilligen schnappen den Schweizern die Jobs weg oder drücken mit ihrer billigen Arbeitskraft das Lohnniveau - jene, welche nicht arbeiten wollen verkleiden sich als Asylbewerber und liegen Herrn und Frau Schweizer auf der Tasche - sind eventuell sogar kriminell.
Die Konsequenzen: Allgemeine Platznot, was zu überfüllten Zügen und horrenden Mietpreisen führt.

Die Befürworter der Masseinwanderungsinitiative wissen wovon sie reden, kennen sie die beschriebenen Zustände doch aus erster Hand.

Beispiel Asylmissbrauch
SVP-Nationalrat Hans Fehr aus Zürich beschäftigt zusammen mit seiner Frau Ursula, SVP-Gemeindepräsidentin von Eglisau, bei sich zu Hause eine Haushaltshilfe. Das tun sie schwarz, bezahlen der Asylbewerberin aus Serbien, die notabene nach geltendem Recht gar nicht arbeiten darf, keine Beiträge an die Sozialversicherungen. Asylmissbrauch! Einfach von der anderen Seite halt...

Jedoch muss man festhalten: Den Fehrs, so sagen sie, tuts leid. Sie haben sich geirrt. Arbeitsrecht fällt also nicht in die Kernkompetenz der Bezirksrichterin Ursula Fehr. Und ohnehin, es gehe ja nicht um den «Einzelfall, sondern um die grosse Masse», sagte der Hans Fehr gegenüber SRF.

Beispiel Lohndruck

Billige Arbeitskräfte zu finden ist im Hochpreisland Schweiz schwierig. Umso verständlicher dass Thomas Minder, der Vater der Abzocker-Initiative und Anwalt der kleinen Leute, (kein waschechter SVPler, doch bei den Befürwortern der Masseneinwanderungsinitiative an vorderster Front) die Arbeitskräfte für seine Mundwasser-Fabrik in Süddeutschland sucht. Seine Begründung: «Schaffhausen als grenznahes Gebiet ist mit den Grenzgängern schon immer ausgekommen und braucht diese auch.»

Minder stellt fest: «Als Unternehmer profitiere ich von der Zuwanderung.» Ein «fehrer» Deal immerhin: Auch seine süddeutschen Angestellten profitieren vom Schweizer Lohn.

Im Bundeshaus jedoch, verwandelt er sich: «Ich habe als Parlamentarier auch noch eine andere Verantwortung, als nur die wirtschaftliche wahrzunehmen.» Genau, eine moralische, oder?

Beispiel steigende Mieten
Der Präsident der jungen SVP und Jungunternehmer Erich Hess (32) vermietet mit seiner Firma Optinovum auch Liegenschaften in Bern. Im Portfolio eine 1,5-Zimmer-Wohnung für 2350 Franken. Ob er die Wohnung in der Innenstadt an einen Schweizer oder einen Ausländer vermietet, ist nicht bekannt.

Erich Hess ist wenigstens ehrlich und gibt gegenüber «Blick» zu, dass der Mietpreis am oberen Limit sei. Die Verantwortung trage jedoch nicht er. Stimmt, die Masse machts, siehe oben.

Was lernt man aus diesen Beispielen: Keiner ist von der Widersprüchlichkeit moderner Politik gefeit. Diese Komplexität muss man wohl aushalten können. Obs mit einem Glas Wein oder Wasser besser geht, muss jeder für sich entscheiden. Und für den Fall des Falles gibt's ja immer noch das Schaffhauser Mundwasser.

Aktuelle Nachrichten