Affäre Buttet
Frauen, raus aus der Deckung

Wegen des Vorwurfs von Stalking suspendiert die CVP ihren Vize, Nationalrat Yannick Buttet (VS). Der Kommentar.

Doris Kleck
Doris Kleck
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Wegen des Vorwurfs von Stalking suspendiert: CVP-Vizepräsident Yannick Buttet.

Wegen des Vorwurfs von Stalking suspendiert: CVP-Vizepräsident Yannick Buttet.

KEYSTONE/PETER SCHNEIDER

Die Affäre um den Walliser CVP-Nationalrat Yannick Buttet hat verschiedene Komponenten. Da ist zum einen die unerträgliche Doppelmoral eines Politikers, der jegliche erweiterten Rechte für Homosexuelle bekämpft, weil er sie als Angriff auf die Ehe empfindet. Der gerne von Werten spricht und der Familie als Ort, wo sie weitergegeben werden.

Da sind zum anderen die Stalking-Vorwürfe aus dem Wallis, die strafrechtlich verfolgt werden. Und über die früher oder später ein Urteil vorliegen wird. Wer Yannick Buttet gut gesinnt ist, spricht von einer persönlichen Tragödie, von familiären Problemen, die auch Parlamentarier haben.

Und da sind die Belästigungsvorwürfe aus dem Bundeshaus. Hier wird die Sache besonders delikat, weil sie anonym erfolgen und ein enormes Zerstörungspotenzial haben. Wie gravierend sind die Vorfälle, haben sich die Frauen gewehrt und weshalb kommen sie erst jetzt ans Licht, wenn doch viele in Bern Bescheid wussten? Dass sich Parlamentarierinnen nicht trauen, öffentlich darüber zu sprechen, ist nachvollziehbar. Sie sind öffentliche Figuren, wollen ihre Karriere nicht gefährden. Doch wenn eine richtige Debatte über Sexismus beginnen soll, müssen sie aus ihrer Deckung rauskommen.

Klar ist zu diesem Zeitpunkt einzig, dass Eheprobleme und Alkohol keine Ausrede für sexuelle Belästigungen sind. Von einem 40-jährigen Mann kann man erwarten, dass er weiss, was der Alkohol mit ihm macht. Dass er weiss, was ein respektables Verhalten ist. Dass er die Integrität seines Gegenübers wahrt.

doris.kleck@azmedien.ch

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