Apropos
Alt-Hippie-Scheisse mit dem Handy

Max Dohner
Max Dohner
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Mittlerweile übertrumpfen sich schon die Goofen im Kindergarten mit Bali, Baja California und den Seychellen (Bild).

Mittlerweile übertrumpfen sich schon die Goofen im Kindergarten mit Bali, Baja California und den Seychellen (Bild).

Keystone

Zwei Freunde treffen sich vor den Ferien, Greg und Andy. Sie sind Freunde; sie müssen voreinander nicht wichtig tun, wohin es geht in den Ferien. Ganz im Sinn von Eugen: «Und Eugen fuhr ans Meer.» Eine Zeile von Franz Hohler. Er machte sich mal darüber lustig, wie die Leute angeben mit ihren Feriendestinationen. Eugen aber machte kein Wesen daraus: Eugen fuhr ans Meer. Das war vor fünfzig Jahren. Mittlerweile übertrumpfen sich schon die Goofen im Kindergarten mit Bali, Baja California und den Seychellen. Aber sie haben null Ahnung, dass eine Milka-Kuh keine lila Milch gibt – und so weiter.

Greg sagt zu Andy: «In den Ferien werde ich drei Wochen lang offline sein. Nicht erreichbar übers Handy.» Andy sagt: «Fängst jetzt auch du noch an mit dieser Alt-Hippie-Scheisse! Ketten sprengen vom Sklaventreiber Handy, Seele reinigen mit selbst auferlegtem Funkloch? Man tut nichts Gutes ohne die alte Ideologie von der guten alten Blumenwiese. In Deutschland gibt’s Entzugskurse, da müsstest du hin: Hallo, ich heisse Greg. Ich bin einundfünfzig Jahre alt, Angestellter in einer dynamischen Bude, geschieden ... und Handyholiker.»

Greg zuckt mit den Schultern: «Ich miete ein Haus neben einem Wasserfall, in einem Tobel. Keine Ideologie, Mann, keine Therapie. Einfach kein Empfang. Das ist alles.»