Kommentar
Unzuverlässige Corona-Schnelltests: Im Nebel ist Fuchteln besser

Schnell- und Selbsttests haben ein Manko. Sie werden schnell unzuverlässig, wenn die Virenlast in der Probe sinkt. Das ist nicht gut, wenn sie bei Symptomlosen Virenträger ausmachen sollen. Dafür wären sie nämlich gedacht: Dass man vor dem Gang in die Öffentlichkeit sich frei testen kann. Warum man trotz dieser Mängel auf sie setzen soll.

Christoph Bopp
Christoph Bopp
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Seit der vergangenen Woche stehen jeder Person in der Schweiz fünf gratis Schnelltests pro Monat zur Verfügung.

Seit der vergangenen Woche stehen jeder Person in der Schweiz fünf gratis Schnelltests pro Monat zur Verfügung.

Keystone

In der Pandemie gilt: Je mehr man ­testet, desto besser weiss man Bescheid. Klingt gut, der Satz, ist aber nur bedingt wahr. Wenn die Welt ganz einfach wäre und es nur darum ginge, mit einem Test unklare Fälle in klare zu verwandeln, wäre gegen eine solche Teststrategie gar nichts einzuwenden.

Leider findet die Pandemie nicht in einer so einfachen Welt statt. Das zeigt sich, wenn man die Validierungsvorschriften des BAG anschaut, welche die Schnelltests bestehen müssen. Sie sind streng, aber etwas einseitig ausgelegt.

Die Schnelltests sollen dort vergleichbar gut sein wie PCR-Tests, wo es entscheidend ist: bei Fällen hoher Infektiosität mit entsprechend hoher Viruslast. Und dort schneiden sie nicht schlecht ab, sogar die Selbsttests, bei denen sich die Leute selbst eine Probe aus der Nase herausstochern.

Die Hoffnungen, die man mit ihnen verbindet, sind aber andere: Sie sollen symptomlose Virusträger nachweisen. Mehr Sicherheit bieten, bevor man sich in Gesellschaft begibt. Und dort – bei niedrigen Virusbelastungen – sind sie weit weniger gut.

Leider ist das gerade die Zone, wo auch die Wissenschaft nichts Sicheres weiss. Es ist die Frage, die auch die an sich zuverlässigen PCR-Tests oft nicht ausreichend klar beantworten können: Ist dieser positiv Getestete auch ein Ansteckender?

Die Daten geben noch keine ausreichend präzise Antwort. Wie hoch darf die Virenkonzentration sein, damit man nicht mehr ansteckt? Oder wie viele Zyklen dürfen es sein, bevor der PCR-Test anspricht? Das sind Unsicherheiten, die man nicht vernachlässigen darf.

Man soll die Schnelltests – und auch die Selbsttests – aber trotz allem anwenden. Mehr testen ist nicht deshalb falsch, weil es falsch negative Resultate geben könnte. Denn im Nebel wehrt man sich besser, wenn man viel herumfuchtelt, als wenn man auf den sicheren Schlag wartet.