Kommentar
Trump ist passé, der Trumpismus bleibt

Dem US-Präsidenten entglitten die Geister, die er gerufen hatte. Jetzt wurden sie ihm selbst unheimlich. Die Person Trump ist dadurch in der eigenen republikanischen Partei arg geschwächt. Seine Polit-Mixtur aber dürfte Bestand haben.

Patrik Müller
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Patrik Müller.

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Eigentlich war es Joe Bidens grosser Tag: Der Kongress bestätigte am Donnerstag seine Wahl zum 46. US-Präsidenten. Doch davon spricht kaum jemand. Zu schockierend, zu verstörend sind die Bilder des Vorabends, als ein Mob von Trump-Anhängern das Parlament stürmte und Abgeordnete bedrohte. Vier Menschen starben. «Es war ein Aufstand, zu dem der Präsident angestiftet hatte», sagte treffend der republikanische Senator Mitt Romney.

Sogar dem Brandstifter wurde es unheimlich, jedenfalls teilte Trump kleinlaut mit, er werde nun Hand bieten zu einer «ordnungsgemässen Amtsübergabe». Dies, nachdem er seine Anhänger zwei Monate lang mit dem Schlachtruf «Wahlbetrug!» aufgehetzt hatte.

Das ist die gute Nachricht: Amerikas Demokratie hat ihre grösste Prüfung in extremis bestanden. Der gewählte Präsident Biden wird am 20. Januar ins Weisse Haus einziehen. Eine Selbstverständlichkeit, befänden wir uns nicht in der Trump-Ära.

Präsident Trump ist bald passé, und seine Stellung in der republikanischen Partei ist nach der «Schande vom Kapitol» nachhaltig geschwächt. Das heisst aber nicht, dass Trumps Polit-Mixtur verschwindet. Mit diesem neuartigen Populismus holte die republikanische Partei, vor Trump elitär und abgehoben, die einfachen Leute zurück. So gewann sie in weiten Teilen des Landes Wähleranteile.

Der Trumpismus könnte Trump deshalb überdauern. Sein Vize Mike Pence und andere Republikaner stehen bereit, diese Politik weiterzuführen.